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: Die Götter müssen entrückt sein

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Im Blitzlichtgewitter vor dem Chinese Theatre oder dem Egyptian, den alten Kinopalästen am Hollywood Boulevard, hat man sie nie gesehen. Sie haßte Premieren, sie haßte Interviews und öffentliche Auftritte, und sie liebte die Kamera, weil die Kamera sie liebte. Greta Garbo, die man noch "die Göttliche" nennen ...

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          Im Blitzlichtgewitter vor dem Chinese Theatre oder dem Egyptian, den alten Kinopalästen am Hollywood Boulevard, hat man sie nie gesehen. Sie haßte Premieren, sie haßte Interviews und öffentliche Auftritte, und sie liebte die Kamera, weil die Kamera sie liebte. Greta Garbo, die man noch "die Göttliche" nennen konnte, ohne daß es lächerlich geklungen hätte, war das Gesicht des alten Hollywood. Sie war entrückt, wie Götter es sein müssen, sie war eine Projektionsfläche für alles und alle - nur was sie selbst war, das erzählen weder ihre Filme noch all die Biographen, mit denen sie nicht sprechen wollte. In der Großaufnahme war die Garbo ganz bei sich, und deshalb ist ein neuer Fotoband, der zu ihrem 100. Geburtstag am 18. September erschienen ist, ein einziger Genuß. Es sind Fotografien, die sie selbst aufbewahrt hatte, und in den Begleittexten liest man, wie hart die Arbeit an der Schönheit war, wie die "Masters of Starlight" in vielen Anläufen ein Image herstellten und wie sie rasch begriffen, daß Garbos Augen immer im Zentrum sein mußten, selbst wenn die Kamera in die Distanz ging. Das gilt natürlich auch für die sechs Filme, die jetzt in einer Box auf DVD erscheinen sind. Greta Garbo war das Produkt, die Filme waren das aufwendige Vehikel einer optimalen Präsentation, was sich nirgends so deutlich zeigt wie an "Menschen im Hotel" (1932), in dem ihre Rolle klein und ihre Wirkung phänomenal ist. Sie schlüpfte in die Rolle der "Kameliendame" (1936), sie war Tolstois "Anna Karenina" (1934) und "Königin Christine" (1933), als die Kinomode Kostümfilme verlangte, und es reichte völlig, wenn man in der Werbung titelte: "Die Garbo spricht", "Die Garbo lächelt" und, bei ihrem grandiosen Auftritt in Ernst Lubitschs "Ninotschka" (1939): "Die Garbo lacht". Niemand außer ihr hätte den monströsen Kopfschmuck in "Mata Hari" (1931) mit solcher Würde und Selbstverständlichkeit tragen können, und mag einem auch vieles in diesen Filmen heute verstaubt und statisch vorkommen - da ist immer wieder ihr Gesicht, in dessen Wirkung die ganze säkulare Magie des Kinos liegt. Warum es gerade dieses Gesicht war, das ist in einem Foto beantwortet, welches ihr Gesicht auf einen Körper aus Stein montiert: Es ist das Gesicht einer Sphinx.

          pek

          Scott Reisfield/Robert Dance: "Greta Garbo. Das private Album", Henschel Verlag, Berlin 2005, 256 S., 39,90 Euro.

          "Greta Garbo Collection". 6 DVDs, Warner Home Video, ca. 50 Euro.

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