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: Die Befehlsgewalt im Haus

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Putzen, Kochen, Strümpfe stopfen: Die Liste so notwendiger wie unangenehmer Arbeiten im Haus ließe sich beliebig erweitern, allein die Bewertung bleibt dieselbe: Hausarbeit ist lästig und unproduktiv, weil sie von "wirklicher" und kulturschaffender Arbeit abhält.Diese Perspektive einer ökonomischen, ...

          Putzen, Kochen, Strümpfe stopfen: Die Liste so notwendiger wie unangenehmer Arbeiten im Haus ließe sich beliebig erweitern, allein die Bewertung bleibt dieselbe: Hausarbeit ist lästig und unproduktiv, weil sie von "wirklicher" und kulturschaffender Arbeit abhält.

          Diese Perspektive einer ökonomischen, aber auch kulturellen Geringschätzung des Hauses und der Tätigkeiten in ihm ist ein "junges" Phänomen. Denn waren die Ökonomiken noch bis weit ins achtzehnte Jahrhundert ganz an der Führung des einzelnen Haushaltes orientiert, wandelte sich das erst mit der klassischen Nationalökonomie, die nicht mehr das einzelne Haus, sondern den Staatshaushalt und den Markt ins Zentrum der Theorie rückte. Der ökonomische Bedeutungsverlust, den das Haus damit erfuhr, erfaßte auch die erforderliche Arbeit in ihm. Die traditionell von Frauen verrichteten Tätigkeiten galten bald als unproduktiv und unprofessionell, ja mit dem zivilisatorischen Fortschritt nicht mehr verbunden.

          Eine Deutung, die sich in der Folge ungehindert ausbreitete und selbst bei Feministinnen wie Simone de Beauvoir oder "Ideologiekritikern" wie Jürgen Habermas als vermeintlich historisch übernommen wurde. War der Oikos, also der antike griechische Hausverbund, für Habermas nur das umschattete Reich der Notwendigkeit, dem die Öffentlichkeit als Reich der Freiheit gegenüberstand, klagte Simone de Beauvoir über die Arbeitsteilung, die die Frau seit Urzeiten zur Hausarbeit verurteilte und ihr damit die Teilhabe an der Gestaltung der Welt verbot.

          Lange Zeit haben solche Klischees auch den Blick der Altertumswissenschaften getrübt, die der wirtschaftlichen und kulturellen Dimension des griechischen Oikos und der Arbeit von Frauen in ihm bisher kaum Beachtung geschenkt haben. Hier setzt die Dissertation der Althistorikerin Rosa Reuthner an, die diese Mißachtung zu ergründen und zu korrigieren sucht. Ihre schon im Titel gestellte Frage nach der Bedeutung der Arbeit von Frauen im antiken Griechenland erinnert dabei nicht von ungefähr an den kritisch-nüchternen Blick des "lesenden Arbeiters" bei Brecht. Auch bei Reuthner wird die Anklage gegen ein traditionelles Geschichtsbild ganz konkret geübt, und das heißt hier am Beispiel der Hausverwaltung und der Herstellung von Textilien.

          Nachdem sie in einem umfangreichen ersten Teil den Traditionsbruch in der Ökonomik aufarbeitet und ein Bewußtsein dafür schafft, daß der griechische Oikos eben nicht dem modernen Bild einer "Dienstleistungseinheit für das Erwerbsleben außerhalb des Hauses" entspricht, wertet die Autorin im zweiten Teil die Quellen zur Bedeutung des Hauses als der "Werkstatt der Frauen" aus. Die bekannte Rollenverteilung von "Erwerbung" und "Thesaurierung" erhält eine neue Wendung dadurch, daß Reuthner (im Anschluß an Xenophon) gerade den letzten Bereich, also die Verwaltung und Mehrung der Güter innerhalb des Hauses, zum "ökonomischen Fundament der Polis" macht, da überhaupt nur durch sparsames Haushalten die Zeit zwischen den Ernteperioden überbrückt werden konnte.

          Eine Bedeutung, die sich im Diskurs über den Ehebruch spiegelt. Wurden die hierzu überlieferten Gerichtsreden (etwa bei Lysias) bisher meist nur unter dem Aspekt unrechtmäßiger Erben gelesen, betrafen sie wohl ebensosehr den Zugriff auf die häuslichen Güter. Daß der "Verführer" einer Ehefrau mit dem Tod zu rechnen hatte, während der Vergewaltiger oft nur mit einer Geldstrafe davonkam, lag in der Furcht vor der Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses im Oikos, die so auch zur materiellen Bedrohung der Polis wurde.

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