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: Dichtung und Wahrheit

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Walter Hinck, langjähriger Mitarbeiter im Literaturblatt dieser Zeitung und letztjähriger Träger des Preises der "Frankfurter Anthologie", hat seinen zahlreichen Publikationen ein neues Buch hinzugefügt, das einem seiner zentralen Interessengebiete gilt. Unter dem Titel "Selbstannäherungen: Autobiographien im 20.

          Walter Hinck, langjähriger Mitarbeiter im Literaturblatt dieser Zeitung und letztjähriger Träger des Preises der "Frankfurter Anthologie", hat seinen zahlreichen Publikationen ein neues Buch hinzugefügt, das einem seiner zentralen Interessengebiete gilt. Unter dem Titel "Selbstannäherungen: Autobiographien im 20. Jahrhundert von Elias Canetti bis Marcel Reich-Ranicki" untersucht Hinck das autobiographische Erzählen von fünfundvierzig deutschsprachigen Autoren, darunter Ilse Aichinger, Christa Wolf, Thomas Bernhard und Martin Walser. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Verarbeitung der je eigenen Lebensgeschichte des Autors im Kontext der historischen Erfahrungen des zwanzigsten Jahrhunderts. Besondere Aufmerksamkeit widmet Hinck dabei den Texten, die Zeugnisse und individuelle Erfahrungsberichte der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und des DDR-Regimes sind - gerade auch Selbstbeschreibungen jüdischer Lebensläufe wie denen von Ruth Klüger, Cordelia Edvardson oder Marcel Reich-Ranicki. Hinck versteht Autobiographien als Mittel der Selbstprüfung, der Bilanz oder der Rechtfertigung. Im ersten Fall diene der literarische Umgang mit der eigenen Lebenserfahrung dem "Durchschauen einstiger Fixierungen und Zwänge". Die Form der Bilanz verbinde sich in erster Linie mit dem typischen Alterswerk, dem die "eigene Lebensgeschichte als nächstliegendes Stoffreservoir" dient. Die dritte Form autobiographischer Betrachtungen, die Rechtfertigung, interpretiert Hinck als "Verteidigungsrede vor einem möglichen Tribunal der Gegenwart oder der Zukunft". Zugleich arbeitet Hinck aber auch das Gemeinsame aller drei Formen heraus. So ist sein Buch zugleich Dokumentation und Analyse von bewegenden Zeitzeugnissen und Selbstbeschreibungen von den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende. (Walter Hinck: "Selbstannäherungen: Autobiographien im 20. Jahrhundert von Elias Canetti bis Marcel Reich-Ranicki". Verlag Artemis & Winkler, Düsseldorf 2004. 200 S., geb., 19,90 [Euro].)

          F.A.Z.

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