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: Der Not gehorchend?

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Vierzig Jahre achtundsechzig - einmal mehr diskutiert das Land die Bedeutung jenes Zusammenhangs von Ereignissen, Akteuren und Entwicklungen eines ganzen Generationenprojekts der um und nach 1940 Geborenen. Dabei waren nur die wenigsten im engeren Sinne aktiv in den Unruhen zwischen Frühsommer 1967 und Spätherbst 1969, vor allem in den universitären Zentren.

          Vierzig Jahre achtundsechzig - einmal mehr diskutiert das Land die Bedeutung jenes Zusammenhangs von Ereignissen, Akteuren und Entwicklungen eines ganzen Generationenprojekts der um und nach 1940 Geborenen. Dabei waren nur die wenigsten im engeren Sinne aktiv in den Unruhen zwischen Frühsommer 1967 und Spätherbst 1969, vor allem in den universitären Zentren. Was den Generationszusammenhang aber ausmachte, war die große Zahl gefühlter Aktivisten sowie von emotional und habituell Alliierten im Nachgang der siebziger Jahre - und ebenso die aktive Auseinandersetzung, um die auch die Gegner der 68er nicht herumkamen. In verschiedenen Windungen hat sich dieser "Kulturkampf" um die Deutung bis heute fortgesetzt, massiv verstärkt durch die Selbstbezüglichkeit einer akademisch gebildeten Elite ebenso wie der universitären Wissenschaft, die im Zusammenhang von 1968 wie sonst nie zum historisch-politischen Akteur wurde.

          Dabei haben sich die Positionen inzwischen ausdifferenziert und eigentümlich überlagert. Sehen viele Konservative in den 68ern den Urgrund von Leistungs- und Werteverfall, so mahnt der Verfassungsrichter Udo di Fabio, "68" als Teil der Entwicklung zu akzeptieren. Auch unter den 68ern im engeren Sinne hat sich das Spektrum erheblich aufgefächert: Neben traditioneller Nostalgie und Apologie stehen kritisch-distanzierte Auseinandersetzungen aus den Federn von Wolfgang Kraushaar oder Götz Aly, während Altaktivisten wie Bernd Rabehl und Horst Mahler bis ins rechte Extrem gewandert und auch bei Rudi Dutschke (1940-1979) nachträglich erstaunlich nationale Töne vernommen worden sind. Bei Jüngeren stößt sehr vieles von alledem auf Unverständnis, während mit Albrecht von Lucke ein 1967 Geborener zur Apologie der 68er ansetzt. Ambivalenzen sind freilich für das gesamte Thema kennzeichnend.

          Auch nach vierzig Jahren, auch nach dem Abtritt der 68er von der politischen Macht und auch nachdem sich ein Großteil der 68er-Lehrer, -Richter und -Journalisten in den Ruhestand verabschiedet hat - das ist neu im Vergleich zu den Debatten von 1988 und 1998 -, hält es Wolfgang Kraushaar für naiv, so etwas wie historische Gerechtigkeit in der öffentlichen Diskussion zu erwarten. Stattdessen setzt sich dieser randständige Aktivist von 1968 und herausragende Kenner des Gesamtzusammenhangs das Ziel einer "ausgewogenen Darstellung". In der Tat enthüllt der unaufgeregt unorthodoxe Autor in seinem zehnten Buch, zugleich seiner dritten Bilanz zum Thema, keine substantiell neuen Einsichten, ist auch von Umschweifen und Redundanzen nicht frei, lohnt aber immer wieder Lektüre und Auseinandersetzung.

          Albrecht von Lucke macht sich unterdessen in seinem überblickenden Essay auf die Spur des Wandels der "1968" zugeschriebenen Bedeutung im "Kampf um die Deutungsmacht". Dass er im kursorischen Vorübergehen die meinungsstarke Geschwätzigkeit printmedialer Attributierungen vor Augen führt, leuchtet dabei eher ein als seine neu-alt-linke Philippika gegen die "reaktionären" Zustände in der Bundesrepublik im Zeichen einer "neuen Bürgerlichkeit", die das Private vom Politischen trenne und der er "68" als "Stachel im Fleisch" und "Hoffnungsschimmer" entgegenhält. Dass Bürgerlichkeit beziehungsweise bürgerliche Selbstverantwortung durch einen expandierenden Sozialstaat beeinträchtigt sein könnte, der das Private immer weiter verstaatlicht und der den sozialen Aufstiegswillen derer, die etwas zu gewinnen haben, abwürgt, kommt dieser ebenso festgelegten wie freudlosen orthodox-linken Sichtweise gar nicht in den Blick.

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