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Der neue Feminismus : Mädchenhaft brav

  • -Aktualisiert am

„Mädchen”, früher auch Frauen genannt, machen am liebsten alles gemeinsam Bild: picture-alliance/ dpa

Zwei neue Bücher über Feminismus: Eines heißt „Neue deutsche Mädchen“, das andere „Wir Alphamädchen“. Die Autorinnen sind zwischen 25 und 36 Jahren alt. Wie schwer mag es ihnen fallen, eine Frau zu sein?

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          Irgendwas stimmt an der Haltung nicht. Da gibt es zwei neue Bücher über Feminismus, und eines heißt „Neue deutsche Mädchen“, das andere „Wir Alphamädchen“. Wenn man nun aber weiß, dass die Autorinnen - das eine Buch haben zwei, das andere drei zusammen geschrieben - zwischen 25 und 36 Jahren alt sind, dann ahnt man, wie schwer es jeder von ihnen fallen muss, eine Frau zu sein.

          Alleine das Wort, scheint es, kommt ihnen unheimlich vor. Bedrohlich. Nun lässt es sich aber - als Frau - schlecht über Feminismus schreiben, ohne sich als Frau erkennen geben zu wollen. Gleiche Rechte, gleiche Bezahlung, andere Identifikationsfiguren als Alice Schwarzer: Wenn das 30-jährige Frauen fordern, die sich vorsichtshalber „Mädchen“ nennen, hat das ungefähr dieselbe Wirkung, als würde man einen Räuber anflüstern, er möge doch bitte die Tasche wieder fallen lassen. Natürlich nur, wenn's keine Umstände macht.

          Hübsch geschrieben, nachdenklich im Ton

          Beide Bücher gehen sehr unterschiedlich an das Thema heran. In „Neue deutsche Mädchen“ erzählen die Schriftstellerin Jana Hensel und ihre Lektorin und Freundin Elisabeth Raether Geschichten aus ihrem eigenen Leben. Hübsch geschrieben, nachdenklich im Ton, sehr um Genauigkeit bemüht, sagen sie aber leider überhaupt nichts aus, was über die jeweiligen Geschichten hinausginge. Jana Hensel zog mit ihren Eltern kurz vor der Geburt ihrer Schwester in ein Eigenheim mit Garten; Elisabeth Raether hatte mal was mit einem Christian, der dann auch etwas mit Daniela hatte, einer Freundin von ihr, die sie meist nur zum Mittagessen traf, weil der Gesprächsstoff nicht für einen ganzen Abend reichte. Ja nun. Mal scheint die Wintersonne in eine Berliner Altbauwohnung, dann ist es wieder Frühling in Paris, und würde nicht hinten extra draufstehen, dass es in diesem Buch darum geht, wie es ist, heute eine Frau zu sein, man würde doch tatsächlich denken, es ginge darum, wie es ist, heute Jana Hensel und ihre Freundin Elisabeth Raether zu sein.

          Beim zweiten Buch kann man dagegen auf keiner Seite vergessen, dass es hier um „uns Frauen“ geht. Dauernd fordern „wir Alphamädchen“ etwas, sind „wir Feministinnen“ gegen Schlankheitswahn und für Kondome, gegen Alice Schwarzer und für enthaarte Beine. Dieses „wir“ nervt ungemein, auch wenn viele gute Gedanken in diesem Buch stecken, die sich allerdings zwischen verzichtbaren wissenschaftlichen Erhebungen und Prozentzahlen manchmal gut verstecken.

          Sie haben ja recht, diese jungen Frauen, die Sache mit der Gleichberechtigung ist irgendwie auf halber Strecke stehengeblieben. Kein Grund zu flüstern.

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