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: Der General, ein Pazifist

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"Gott gebe uns bald Frieden"; "Valenciennes werden wir in Brand schießen. Da werden dann wieder 25 000 Menschen in größte Armut versetzt"; "Von den Grausamkeiten, die von uns begangen, sage ich nichts. Der Mensch ohne Bildung ist doch ein grausames Tier"; "Sollte Valenciennes gestürmt werden . . ...

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          "Gott gebe uns bald Frieden"; "Valenciennes werden wir in Brand schießen. Da werden dann wieder 25 000 Menschen in größte Armut versetzt"; "Von den Grausamkeiten, die von uns begangen, sage ich nichts. Der Mensch ohne Bildung ist doch ein grausames Tier"; "Sollte Valenciennes gestürmt werden . . ., aber der Himmel gebe, daß es nicht geschieht, alles würde massakriert"; "Gott, was ist das ein Leben, alles beim Militär ist doch Verwüstung"; "Theologen und Soldaten müssen, wenn sie das sein sollen, was man von ihnen fordert, wenig Verstand haben"; "Ich bin nicht zum Soldaten gemacht; ohne Schwierigkeit ertrage ich die Gefahr, aber der Anblick der unschuldigen jammernden Menschen im Blute neben mir und das Feuer der brennenden Dörfer, von Menschen zum Vergnügen angelegt, bringen mich in Wut und in eine mir unerträgliche Stimmung"; "Wie elend. Der ist am besten, der am meisten vernichtet."

          Dieser Pazifist und Verächter des Soldatentums war, als er das schrieb, kurhannoverscher Berufsoffizier, er fiel 1813 als preußischer General vor Prag. Es ist Gerhard (von) Scharnhorst, der preußische Heeresreformer, dessen Ideen auch in die Bundeswehr Eingang gefunden haben; sein Standbild steht seit kurzem wieder Unter den Linden in Berlin, witzigerweise auf Initiative der PDS hin. Die Zitate stammen aus Briefen an seine Frau und sind dem ersten Band seiner privaten und dienstlichen Schriften entnommen, der jetzt, akkurat und vorbildlich durch Register und Anmerkungen erschlossen, erschienen ist. Er enthält die wortgetreuen - hier etwas modernisierten - Texte der Briefe, seine militärtechnischen Aufzeichnungen, Denkschriften und Berichte sowie diejenigen Texte seiner Vorgesetzten, die ausweislich seiner Handschrift von ihm stammen. Die Technika interessieren nur Spezialisten, der Band enthält jedoch auch vieles, was von allgemeinem Interesse ist.

          Der Krieg, in dem Scharnhorst diese ihn tief erschütternden Erfahrungen machte, war der Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich, in dem die hannoverschen Truppen zusammen mit Engländern in Flandern und Brabant kämpften und der 1775 mit dem Frieden von Basel abgeschlossen wurde. Von den französischen Gegnern ist kaum die Rede, nur etwa dies, daß ihre "schnellen Bewegungen" hervorgehoben werden, während den Heeren des Ancien régime einmal "Schlaffheit und Schläfrigkeit" attestiert werden; auch ist das Revolutionslied "Ça ira" durchaus auch bei den Truppen der Koalition populär. Ähnlich wie es Goethe in der "Campagne in Frankreich" schrieb, verabscheut Scharnhorst die französischen Emigranten im allgemeinen: "Mit dem emigrierten rachsüchtigen Volke habe ich dieser Tage immer zu tun gehabt . . . Sie verdienen meistens ihr Schicksal; sie sind unwissend, von sich eingenommen und abergläubisch."

          Ein Emigrantenbataillon "Loyal Émigrés" oder "Émigrants" aber kämpft tapfer: "Die Offiziere und Unteroffiziere, auch zum Teil die Gemeinen, bestehen aus ehemaligen französischen Offizieren, es sind brave Leute"; freilich sind sie zum Dienst als Vorposten "gänzlich unbrauchbar, da doch niemand von ihnen Pardon bekommt". Die hannoverschen Soldaten, deren Kurfürst gleichzeitig König von England war, wollen nicht immer "an England schwören", und auch Scharnhorst hat keine gute Meinung von ihnen: "Die Engländer wollten alles allein haben. Diese grausame, von sich eingenommene Nation unterbricht alle Ordnung und will immer Vorrechte haben." Allerdings: "so groß ihre Plündereien und Grausamkeiten oft sind, so groß ist dennoch ihre Subordination", und sie sind, "wo der Deutsche murrt, immer zufrieden". Von den kaiserlichen Truppen heißt es schließlich: "Die ungarischen und siebenbürgischen Regimenter sind ohne Ausnahme die besten."

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