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: Der Eva-Knall

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Eva Herman, 47 Jahre alt, Moderatorin der Tagesschau, hat Karriere gemacht. Sie hat einen Sohn, der acht Jahre alt ist. Immerhin. Es gibt Frauen (und Männer), die gar keine Kinder haben und keine Karriere gemacht haben (habilitierte Arbeitslose zum Beispiel). Frauen nennen unter all den Problemen, die ...

          Eva Herman, 47 Jahre alt, Moderatorin der Tagesschau, hat Karriere gemacht. Sie hat einen Sohn, der acht Jahre alt ist. Immerhin. Es gibt Frauen (und Männer), die gar keine Kinder haben und keine Karriere gemacht haben (habilitierte Arbeitslose zum Beispiel). Frauen nennen unter all den Problemen, die ein Leben in Deutschland aufwirft, ein Problem gerne ihr Problem: wie sie Beruf und Kinderwunsch unter einen Hut bringen. Darüber wird zur Zeit geredet. Jetzt redet Frau Herman. Die Debatte wurde von der Frage ausgelöst: Warum kriegen die Deutschen so wenige Kinder?

          Eva Herman sagt den Frauen, daß sie lieber zu Hause bei den Kindern und dem Ehemann bleiben sollen, statt ihrem Beruf nachzugehen. Daß sie lieber kochen statt operieren, lieber die Socken sortieren statt Plädoyers vor Gericht halten sollen. Sie ruft die Frauen ins Heim zurück, die sich im Beruf, so Herman (nachdem sie sich selbst verwirklicht hatte), selbst verwirklichen wollen. Und sie ruft auch die Frauen, die nur arbeiten gehen, weil sie sich einfach mehr leisten wollen (noch ein Auto, noch eine Sitzecke). Bisher rief sie mit ihren Büchern "Vom Glück des Stillens" und "Mein Kind schläft durch". Nun ruft sie mit dem "Eva-Prinzip".

          Familie gründen, Kinder kriegen: Das ist einerseits ein individuelles Problem. Findet man den richtigen Mann? (Auch Männer müssen die richtige Frau finden, sonst sitzen sie ohne Kinder beim Abendbrot.) Hat man einen Beruf, den man sehr gerne macht? (Die Debatte um Kind und Karriere wird nicht von Fabrikarbeiterinnen geführt, die selbstredend auch nicht von beruflicher Selbstverwirklichung reden.) Soll man den lieben Beruf für die Kinder aufgeben? Wer soll das machen, der Vater oder die Mutter? Wer verdient denn mehr? Hat man sieben Töchter oder sieben Söhne - soll die Mutter beziehungsweise der Vater daheim bleiben? Hat die Familie genügend Geld, wenn nur einer arbeitet, oder müssen Vater und Mutter arbeiten, damit die Familie über die Runden kommt?

          Das Problem mit den Kindern und dem Beruf ist andererseits nicht nur ein individuelles, sondern auch ein allgemeines, ein politisches Problem. Welche Lösungen hat der Staat (die Wirtschaft)? Ein kleines Paradies für Adam, Eva und die Kinder begänne, wenn die Arbeitgeber dem Vater und der Mutter mehr Zeit für die Kinder zur Verfügung stellten. Wenn man bei gleichem Lohn schneller aus dem Büro nach Hause zu den Kindern käme, die man nicht in Ganztagsbetreuungsanstalten unterbringen möchte. (Man setzt ja nicht Kinder in die Welt, um sie wegzugeben.)

          Eva Herman redet nicht viel über die Wirtschaft und nicht viel über den Staat. Sie redet lieber über eine biologische Ausstattung, die Mann und Frau seit Urgedenken auf getrennte Wege geschickt hat: den Mann auf die Jagd, die Frau ins Haus. Kinderfremdbetreuung mag sie nicht. Das Kind braucht seine Eltern, das Kind braucht, sagt sie, vor allem die Mutter. Wieso vor allem die Mutter? Weil die Frau anders sei als der Mann. Das sei von der Natur so gewollt, sagt Frau Herman nach langen kinderlosen Karrierejahren in den naturfernen Städten. Die neue Biologie der Kultur erlaubt Allgemeinheiten, die bedrücken: Die Frau sorgt für Geborgenheit und Harmonie.

          Das sagt Eva Herman wahrscheinlich, um zu provozieren. Vielleicht sagt sie das auch, weil sie das jetzt glaubt. Ganz sicher sagt sie es nicht, weil sie das gelebt hätte. Kann man so strikt gegen seine Existenz reden? Nur wenn man sich nicht ernst nimmt. Frau Herman war ganz sicher vor ihren neuen Erkenntnissen über die Frau auch schon eine.

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