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: Dem grünen Gott

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Wilhelm Lehmann, einer der Väter der deutschen Naturlyrik, gehört zu den fast vergessenen Dichtern. Kein Gespräch über Bäume, war eine Devise der 68er, und die Grünen wissen nichts vom Grünen Gott des Dichters. Zwar blüht das Pflänzchen Naturlyrik auf, aber ihre Adepten pflegen eher ein Unverhältnis zu Lehmann.

          Wilhelm Lehmann, einer der Väter der deutschen Naturlyrik, gehört zu den fast vergessenen Dichtern. Kein Gespräch über Bäume, war eine Devise der 68er, und die Grünen wissen nichts vom Grünen Gott des Dichters. Zwar blüht das Pflänzchen Naturlyrik auf, aber ihre Adepten pflegen eher ein Unverhältnis zu Lehmann. Dennoch gibt es Ansätze für eine Wiederentdeckung. Sie kamen bei der zweiten Tagung der noch jungen Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft in Eckernförde zur Sprache, zu der nun ein Band erschienen ist. Axel Goodbody sieht Lehmann in seinen "Bukolischen Tagebüchern" als deutschen Nachfahren des Naturreformers Thoreau. Ulrich Grober interpretiert sie als deutsche Parallele zum "Sand County Almanac" Aldo Leopolds, eines amerikanischen Generationsgenossen Lehmanns. Leopolds Buch wurde zum Kultbuch der amerikanischen Umweltbewegung, und noch Al Gores Engagement ist ohne Leopold nicht zu denken. Gäbe es historische Gerechtigkeit, hätte Lehmann eine Chance. Für eine weitere Revision - die literarische - plädiert Hans Dieter Schäfer. Er reaktiviert Lehmanns Polemik gegen Hugo Friedrichs folgenreiche "Struktur der modernen Lyrik", die den Strang Baudelaire-Rimbaud für die Entwicklung verabsolutierte. Vielleicht ist es überfällig, Lehmanns Votum für die Natur- und Welthaltigkeit der Poesie zu aktualisieren. Auf jeden Fall dürfte Wulf Kirstens Stoßseufzer aktuell sein: "Sind Wilhelm Lehmanns Gedichte bildungslastig? Zum Glück!" ("Wilhelm Lehmann zwischen Naturwissen und Poesie". Hrsg. von Uwe Pörksen. Wallstein Verlag, Göttingen 2008. 88 S., br., 10,- [Euro].) H.H.

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