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Debora Weber-Wulff u.a.: Gewissensbisse : Orientierung im digitalen Maschinenraum

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Bild: Verlag

Woran sollen Informatiker sich halten, wenn ihre Arbeit sie in ethische Konflikte bringt? Ein Band formuliert Richtlinien und entwirft realistische Fallgeschichten mit offenem Ende.

          Gewissensbisse sind jene Sanktion, die sich nach moralischem Fehlverhalten einstellt. Sie nagen am Betroffenen rein innerlich und sind nicht notwendig durch gesellschaftliche Ächtung oder staatliche Zwangsgewalt gestützt. Die zweifelnde Stimme des Gewissens indiziert oft nur die Existenz eines Problems, nicht notwendig die sichere Verletzung einer Norm. Denn was diese Norm aussagt, ja, ob es sie überhaupt gibt, ist oft Teil des ethischen Dilemmas, in dem sich der Betroffene befindet; er fragt: Wie soll ich handeln?

          Das verständlich und flott geschriebene Büchlein der fünf Informatik-Autoren nähert sich den ethischen Problemen des eigenen Fachs, die diese Gewissensbisse verursachen können, in ebenso einseitiger wie erhellender Weise: Die Konflikte werden nicht aus einer lehrbuchmäßigen Theorie der Ethik deduziert, sondern als ungelöste Fallgeschichte entwickelt. Der Leser begegnet also den Herausforderungen der Informationsgesellschaft in vielfältigen Miniaturerzählungen mit stets offenem Ende.

          Konflikte im Netz

          Die standardisierenden Elemente sind dennoch erheblich: Es geht immer um das - konsequent subjektive - Erleben eines Konflikts, immer wird dieser Konflikt auf prototypische Interessen zurückgeführt, und es ist jemand in seiner professionellen Rolle als Informatiker oder als privater EDV-Nutzer gefordert, damit umzugehen. IT-Projekte stehen unter Zeitdruck, sind rücksichtslosen Profiterwartungen und nachvollziehbaren Sparzwängen ausgesetzt; ihren Auftraggebern fehlt der Sinn für Normübertretungen, sie verfolgen unerreichbare Ziele. Netzbewohner finden fehlerhafte Maschen, die verblüffende Einblicke in abgeschirmte Bereiche des Datenuniversums ermöglichen.

          Auch bevor er den mehrfach eingestreuten Hinweis gefunden hat, weiß der Leser, dass diese Fälle oft realen Vorkommnissen nachgebildet sind. Vorsätzlicher Datenklau oder -missbrauch, grob fahrlässige Sicherheitslücken im EDV-System und die erschreckenden Selbstüberschätzungen der Informationsgesellschaft bilden den narrativen Kern dieses Pitavals der Computergeneration in ihren ethisch zweifelhaften Seiten.

          Diskurs im Maschinenraum

          Mit der Publikation verknüpft sich der nicht selbstverständliche Anspruch, dass die Informatiker mehr sind als die unselbständigen Handlanger im Maschinenraum einer hochtechnisierten Gesellschaft. Im Gegenteil: Sie sollen die nicht-technischen Konsequenzen ihres Handelns reflektieren und mit ihrer Verantwortung für Technik umgehen lernen. Das heißt vor allem, sich der Komplexität der Probleme bewusst zu werden und die eigenen Handlungsmöglichkeiten so zu sondieren, dass Positionen begründbar und Argumente intersubjektiv formuliert werden. „Diskurse üben“ scheint das Motto für eine Zunft, die man sich von Haus aus vielleicht wenig diskussionsfreudig, aber sehr an „korrekten“ technischen Lösungen orientiert vorstellen darf.

          In den ethischen Konflikten aber helfen diese starren Richtigkeitsvorstellungen nicht weiter, oft geht es um delikate Abwägungen zwischen verschiedenen Gütern. Um diese Abwägungen zu strukturieren, bietet das Buch auf der formalen Seite plausible Schemata an, wie Konflikte analysiert werden können. Inhaltlich verweist es vielfach auf die im Anhang abgedruckten „Ethischen Richtlinien der Gesellschaft für Informatik“, die selbstregulierenden Normen der Datenarbeiter.

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