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David R. Montgomery: Dreck : Diesen Boden wird die Menschheit bald nicht mehr gutmachen können

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Zum einen können die Pflanzen nur eine bestimmte Menge Stickstoff aufnehmen, etwa die Hälfte von dem, was die Landwirte ihnen heute zuführen. Dazu kommt ein weiterer Punkt: Woher soll der Dünger kommen? Nachdem um den Vogelkot Guano schon Kolonialkriege geführt wurden und die Ausbeutung von Phosphaten paradiesische Inseln in unbewohnbare Wüste verwandelt hat, stammt der Mineraldünger heute aus Erdöl oder Erdgas. Dreißig Prozent des Erdölverbrauchs gehen auf Kosten der Landwirtschaft, so Montgomery, und die Vorräte schwinden.

Grüne Revolution wäre wieder an der Zeit

Wir müssen dringend aufhören, die Landwirtschaft als einen Wirtschaftszweig unter anderen zu betrachten, bei dem allein der Profit entscheidet, fordert Montgomery. Es sei Zeit für eine neue Grüne Revolution. Die Landwirtschaft müsse sich den Böden anpassen, nicht umgekehrt. Die Kornkammern der Erde, die Lössböden Nordamerikas, Europas und Chinas, lassen sich in großem Stil bewirtschaften, wenn man schonend vorgeht und etwa auf das Pflügen verzichtet. Der übrige, empfindlichere Boden gehört in die Hände derer, die ihn bearbeiten. Verwalter, die aus dem Boden nur Profit erwirtschaften, ohne an die Zukunft zu denken, hätten schon das alte Rom ruiniert. Dezentral, ökologisch und arbeitsintensiv müsse die Landwirtschaft werden. Nur dann bestehe wenigstens eine Chance, die wachsende Weltbevölkerung dauerhaft zu versorgen.

In Ansätzen ist dies kurioserweise auf Kuba gelungen, als das Land sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf sich allein gestellt fand. Dünger und Spritzmittel waren nicht zu bekommen, also besannen sich die kubanischen Bauern auf traditionelle Düngemethoden und produzieren notgedrungen Bioqualität.

Ist fruchtbarer Boden in Zukunft ein Kriegsgrund?

Das reicht, wenn man auf Fleisch verzichtet, so gerade, und der Prozess des Umdenkens war nicht auf demokratische Meinungsbildung zurückzuführen. Dass er in globalem Maßstab gelingen könnte, bezweifelt der Autor. Die Alternative allerdings mag man sich gar nicht recht ausmalen. Chinas Böden sind so ausgelaugt, dass sie für die Ernährung der Bevölkerung nicht mehr ausreichen. Zurzeit hängt die Sicherheit der weltpolitischen Ordnung, so Montgomery, an der Überproduktion der amerikanischen Landwirtschaft. Was geschieht, wenn Völker erst beginnen, in großem Stil um fruchtbare Böden zu kämpfen?

Schon jetzt erwerben reiche Staaten massiv fruchtbares Land in Entwicklungsländern - was Montgomery erstaunlicherweise nicht erwähnt. Nur wenigen kleinen Kulturen ist bislang das Kunststück gelungen, ihren Boden dauerhaft fruchtbar zu halten. Montgomery analysiert ihre Wirtschaftsweise und versucht Schlüsse für die Industriestaaten zu ziehen. Der wichtigste: Behandelt den Boden nicht wie Dreck.

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