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Buch über Bürgerkriege : Der Krieg ohne äußeren Feind

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Es sind Bilder wie diese aus Damaskus, die unser Verständnis von Bürgerkriegen der modernen Welt prägen. Bild: Reuters

Der britische Historiker David Armitage schreibt über Bürgerkriege und hat auch die Gegenwart im Blick. Sein Buch versucht auf nicht einmal vierhundert Seiten globalgeschichtliche Zusammenhänge herzustellen. Zu viel gewollt.

          Wer eine bewaffnete Auseinandersetzung als Bürgerkrieg bezeichnet, trifft damit eine doppelte Unterscheidung. Bürgerkriege sind Kriege, also etwas anderes als Rebellionen, Aufstände oder gewaltsame Generalstreiks. Gleichzeitig sind sie keine Staatenkriege. Bürgerkriege werden zwischen Parteien ausgefochten, die zu ein und demselben politischen Verband gerechnet werden, zwischen Mitbürgern also. Der Bürgerkrieg ist der Krieg ohne äußeren Feind. Nun weiß man seit den bahnbrechenden Arbeiten des Historikers Reinhart Koselleck, dass historische Begriffe unter anderem deswegen in ihrer Bedeutung instabil sind, weil sie sich auf einander ablösende Gegenbegriffe beziehen. Vom Begriff des Bürgerkrieges müsste das deswegen in doppeltem Maße gelten.

          Dass es sich in der Tat so verhält, zeigt der in Harvard lehrende britische Historiker David Armitage in einem Buch, das nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Es ist, wie Armitage offenlegt, auch ein Produkt besorgter Beobachtungen einer amerikanischen Innenpolitik, die sich seit den achtziger Jahren immer stärker in die Semantiken des Bürgerkrieges verwickelt hat. So erklärt Armitage mit viel Verve an mehreren Stellen des Buches seinen Lesern, dass politische Begriffe nicht bloß Wörter sind, sondern eine Frage, die „das echte Leben – oder den Tod betrifft“. Das ist zwar keine ganz neue Erkenntnis, doch darum nicht falsch.

          Das 19. Jahrhundert definiert juristische Begriffe

          Weltgeschichtlich identifiziert Armitage vier Varianten, den Bürgerkrieg zu denken. Im Zentrum des arabischen Begriffs der fitna steht die Glaubensspaltung, anders als in der ostasiatischen Vorstellung von einem „inneren Krieg“. Wiederum anders die Griechen, die sich Spaltungen innerhalb der polis (stasis) als moralischen Zusammenbruch der politischen Einheit vorstellten. Erst und allein in Rom entstand die ideenpolitisch entscheidende Verknüpfung von Gewalt (bellum) und Zugehörigkeit (civile) zum Bürgerkrieg. Für den römischen Historiker Appian wurden der Waffenbesitz und die Einführung des Kriegsrechts innerhalb der Stadt zu entscheidenden Kriterien dieser Form des Konflikts.

          David Armitage: „Bürgerkrieg“. Vom Wesen innerstaatlicher Konflikte. Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2018. 391 Seiten, gebunden., 25 Euro.

          So begann der Bürgerkrieg im strengen Sine mit Sullas Vorgehen gegen Marius und Sulpicius, indem „die Parteiführer einander wie im Krieg mit starken Heeren angriffen, und das Vaterland lag als Siegespreis zwischen ihnen“. Die Mittel des Bürgerkrieges sind also spezifisch kriegerisch, das Ziel aber ist die umfassende Kontrolle über die politische Einheit. Ein solcher Konflikt kann nur innerhalb der Grenzen eines politischen Gemeinwesens stattfinden, und die Sprache des Bürgerkrieges ist notwendigerweise die Sprache der Legitimität.

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