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: Das Hedonimeter weist den Weg

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Sie kennen den Dr. Hirschhausen noch nicht? Dann gehören Sie zu einer schwindenden Minderheit. Sie haben also, wofür es gute Gründe gibt, die Sendung "Schmidt & Pocher" nie gesehen, wo der Doktor regelmäßig zu Gast ist. Sie schauen offensichtlich generell nicht oft fern und lesen womöglich auch ...

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          Sie kennen den Dr. Hirschhausen noch nicht? Dann gehören Sie zu einer schwindenden Minderheit. Sie haben also, wofür es gute Gründe gibt, die Sendung "Schmidt & Pocher" nie gesehen, wo der Doktor regelmäßig zu Gast ist. Sie schauen offensichtlich generell nicht oft fern und lesen womöglich auch keine Zeitungen oder Zeitschriften, weil Ihnen sonst der Mann, der sich als "lustigster Arzt Deutschlands" feiern lässt, längst begegnet wäre. Sie gehören auch nicht zu den anderthalb Millionen Käufern des bestverkauften Sachbuch-Taschenbuchs 2008, Verfasser: Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Titel: "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben". Mit seinen Auflagen wächst wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass Sie den Doktor demnächst doch kennenlernen. Soeben hat er ein neues Buch veröffentlicht, das sofort an die Spitze der Sachbuchliste gestiegen ist. Jeder muss jederzeit damit rechnen, dass es ihm jemand schenkt.

          Getrost dürfen wir von einem Bestseller auf Bestellung sprechen. Von Hirschhausen vereint mehrere Attribute, mit denen man in unserem Lande Eindruck machen kann: Er ist promoviert. Er ist Arzt. Er ist adlig. Er ist Humorist, und jene können seit einiger Zeit schreiben, worüber sie wollen, ob über Religion (Dieter Nuhr) oder über die eigene Katze (Ralf Schmitz): Die Leute nehmen's ihnen ab, in Massen. Solche Bücher landen verlässlich in den Bestsellerlisten, obwohl oder gerade weil sie kaum rezensiert werden. Lieber führen die Redaktionen mit dem Autor ein launiges Gespräch oder lassen ihn gleich selbst schreiben. In dem, was wir für seriöse Presse halten, haben wir eine Rezension des Hirschhausen-Buchs bis Redaktionsschluss nicht entdecken können, dafür diverse Interviews und Buchauszüge. Die "Bild"-Zeitung widmete dem Werk gleich eine Serie, womit die Sache endgültig gelaufen war. Das Lob, das der Doktor im Anhang seiner Managerin spendet, der "unermüdlichen Strategin hinter meinem Erfolg", ist vollauf verdient: Die Frau hat ganze Arbeit geleistet.

          Schon das Exposé zum Buch muss ein Verlegertraum gewesen sein. "Glück kommt selten allein . . .", so der Titel, verspricht Lebenshilfe, Populärwissenschaft, Psychologie und Zivilisationskritik, dargereicht in sanften Dosen und verpackt in weiche Comedy-Polster. Das riecht nach neuem Rekord an Amazon-Verweisen - wenn die Leser von Dietrich Grönemeyer, Dale Carnegie, Bastian Sick, Harald Schmidt und Hape Kerkeling alle zu den Heilmitteln des Herrn Doktor greifen.

          "Dieses Buch kann Sie glücklich machen", schreibt der Doktor in seinem "Vorwort für Optimisten und Neugierige" und beruhigt den Gelegenheitsleser: "Es ist ja keine Literatur. Auf mühselige Erklärungen wird verzichtet, denn was hilft einem die Philosophiegeschichte, wenn ich wissen möchte, wie ich im Alltag meinen Jammerlappen auswringen kann?" Unangestrengte Unterhaltungslektüre mit maximalem Profit: Das ist Maßarbeit nicht nur für jene Manager, die sich vom Referenten Eckart von Hirschhausen schon im "Führen mit Humor" unterrichten lassen ("Entwickeln Sie Ihr komisches Eigenkapital"). Und noch ein zweites Vorwort hat der Doktor verfasst, nämlich eines "für Pessimisten und Kritiker". Sie fordert er auf, ihr negatives Urteil ruhig zu verbreiten: "Sonst erwischt es noch jemanden, der nicht ausreichend kritisch an die Sache herangeht. Und der würde womöglich Spaß daran haben." Wenn uns das Buch nicht zusagt, dann liegt das also nicht am Buch, sondern an uns Miesepetern, die anderen keinen Spaß gönnen.

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