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: Das Hedonimeter weist den Weg

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Man dürfe ihn den "Hape Kerkeling der Wanderniere" nennen, befindet von Hirschhausen und offenbart so, in wessen Liga er sich wähnt. Der böse Blick des Pessimisten käme womöglich zu einem anderen Ergebnis, nämlich dass der lustige Medicus über ein eher beschränktes komödiantisches Repertoire verfügt: ein Mario Barth mit Fremdwörtern. Durch das neue Buch kann man sich davon überzeugen, dass mäßiges Kabarett nicht gewinnt, wenn man es niederschreibt. Das liest sich nämlich so: "Die Digitalfotografie hat viel Positives, gerade weil sie ohne Negative auskommt." - "Die Schattenseite der Schokoladenseite ist die Sucht." - "Beim Tanzen kann man seine Sorgen vergessen, sogar die um Alzheimer." - "Für den Opernliebhaber ist Placido Domingo besser als Placebo." Diese Erscheinungsform des Humors scheint ansteckend zu sein. Erste Symptome zeigt der Hirnforscher Manfred Spitzer, der sich auf dem Buchrücken mit dem Satz zitieren lässt: "Hirschhausen ist spitze, ich bin Spitzer!"

Welche geheimen Glücksrezepte verrät uns nun der Doktor? Musik tut ebenso gut wie frische Luft und Freunde. Wir sollen singen, tanzen und Sport treiben. Uns Zeit nehmen für uns und für andere. Schokolade essen und Wein trinken, aber nicht zu viel. Außerdem empfiehlt er uns, "die Glotze" abzuschaffen; das immerhin ist, aus dem Munde eines Fernseharztes, originell. Die meisten anderen Ratschläge sind es weniger. Fachkenntnis kann man von Hirschhausen nicht absprechen, der viele wissenschaftliche Werke gelesen hat, leider aber auch alte Witzbücher. Nicht einmal den abgenützten Yeti-Gag ("Wie, den Messner gibt's wirklich?") erspart er uns. Und direkt auf eine bedenkenswerte Analyse der Floskel, dass man seinem Ärger stets Luft machen sollte, folgt ein Abschnitt darüber, warum Männer gern in der Nase bohren.

Das alles würde längst keine knapp vierhundert Seiten füllen, streckte der Doktor den Text nicht mit etlichen Ulkfotos, Gimmicks und Bastelbögen - vom Mundwinkelmesser "Hedonimeter" bis zur "dunklen Seite", die man einfach rausreißen solle. Beigelegt ist außerdem ein Aufkleberset mit Buchzitaten, mit dessen Hilfe die Leser - wieder so ein raffinierter Schachzug - des lustigen Doktors Wort in die Welt tragen können. Und dann gibt es noch, zum Verschicken an gute Freunde, eine Postkarte mit der Botschaft: "Ich wollte nur, dass Du weißt, dass ich Dich mag." Die Briefmarke ziert ein treuherzig blickender Dr. von Hirschhausen. Spätestens dieses Arsenal von Niedlichkeiten offenbart, mit wem der omnipräsente Glücksbringer tatsächlich in einer Liga spielt: mit der Diddl-Maus.

JÖRG THOMANN

Eckart von Hirschhausen: "Glück kommt selten allein . . ." Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2009. 384 S., Abb., geb., 18,90 [Euro].

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