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D. P. Kommers, R. A. Miller: The Constitutional Jurisprudence of the Federal Republic of Germany : Damit auch Amerikaner das deutsche Grundgesetz verstehen können

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Bild: Duke University Press

In der Würde liegt die Kraft: Donald P. Kommers und Russell A. Miller erklären als transatlantische Brückenbauer das deutsche Verfassungsrecht. Eine sachkundige und sensible Analyse.

          4 Min.

          Mit der ersten Auflage seines Lehrbuchs zum deutschen Verfassungsrecht hat Donald Kommers Pionierarbeit geleistet. Über Jahrzehnte hatten amerikanische Verfassungsrechtler kaum Notiz genommen vom Grundgesetz, von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und den Transformationen, die die Karlsruher Entscheidungen bewirkten. Oft verhinderte auch die Sprachkluft den Zugang. Eine der besten Brücken, die Juristen und Rechtsinteressierten aus dem angloamerikanischen Rechtskreis den Weg zum Grundgesetz erschlossen, hat Donald Kommers mit seinem Werk „The Constitutional Jurisprudence of the Federal Republic of Germany“ gebaut, einer didaktisch angeleiteten, versiert kommentierten Entscheidungssammlung.

          Das Buch ist eine gelungene Synthese von „Casebook“ nach amerikanischem Vorbild und juristischem Lehrbuch deutscher Prägung zur Überbrückung transatlantischer Unterschiede im Rechtsdenken und in der Juristenausbildung. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass die Entscheidungssammlung erstmalig 1989, also im Jahr des Mauerfalls, erschien, als die historischen Umwälzungen in Europa der noch jungen Disziplin der Verfassungsrechtsvergleichung und speziell dem Interesse am deutschen Verfassungsrecht in den Vereinigten Staaten einen Schub verliehen. Kommers’ Buch wurde zum Katalysator dieser Entwicklung, zur „unverzichtbaren Quelle“ für englischsprachige Verfassungsrechtler, Richter und Jurastudenten.

          Eine begründete Neuauflage

          Mittlerweile bieten sich Juristen aus dem angloamerikanischen Rechtskreis vielfältige Möglichkeiten, die deutsche Verfassungsrechtsentwicklung zu studieren, vor allem über das Internet: Das Bundesverfassungsgericht gibt seine Pressemitteilungen und wichtige Entscheidungen in englischer Sprache heraus, die kostenlose Online-Zeitschrift „German Law Journal“ - die keineswegs nur deutsche Rechtsentwicklungen beschreibt - avancierte zu einer der führenden akademischen Publikationen auf dem Gebiet transnationaler Rechtsentwicklungen. Und in englischsprachigen Verfassungsrechtsblogs findet eine lebhafte Debatte über verfassungsrechtliche Entscheidungen aus Deutschland statt.

          Würde es in diesem digitalen Umfeld überhaupt noch Bedarf für eine aktualisierte gedruckte Ausgabe der „Constitutional Jurisprudence“ geben, die zuletzt 1997 in überarbeiteter Fassung erschienen war? Glücklicherweise wurde die Frage positiv beantwortet. Die Neuauflage besticht durch vorzügliche Einarbeitung eines erweiterten, den nationalen und globalen Entwicklungen angepassten Themenspektrums, welches den europäischen Integrationsprozess, terroristische Bedrohungen sowie Fragen des Datenschutzes und des Schutzes vor Diskriminierung einschließt. Die sachkundige und sensible Aktualisierung ist der Entscheidung des mittlerweile achtzig Jahre alten Donald Kommers zu verdanken, als Koautor Russell Miller an seine Seite zu holen.

          Sensibilisierung amerikanischer Leser

          Miller, der an der Washington and Lee University in Virginia lehrt, ist nicht nur einer der besten jüngeren amerikanischen Kenner des deutschen Verfassungsrechts. Der Mitherausgeber des „German Law Journal“ hat auch einen hervorragenden Überblick über grenzüberschreitende verfassungsrechtliche Herausforderungen und neuere verfassungsrechtliche Entwicklungen. Davon profitiert auch „The Constitutional Jurisprudence“, etwa dort, wo darauf verwiesen wird, dass der Schutz der Meinungsfreiheit in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts trotz der komplizierten Abwägungsprozesse „ohne weiteres mithalten kann mit dem Schutz freier Rede in den fortschrittlichsten Demokratien der Welt“.

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