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Christopher Bloss: Die besten Leibesübungen aller Zeiten : Sich regen bringt Segen

Gesäß und Beine wohlgeformt: Der Sportpädagoge Christopher Bloss bringt uns die besten Leibesübungen bei - ganz ohne Hanteln und Maschinen. Auf 144 Seiten bekommt der Leser seinen Körper in den Griff, und das zu einem günstigen Preis.

          Viele Sorgen verschwinden durch Bewegung, nicht durch Innenschau und komplexe Psychotechniken. Aristoteles, gewiss kein unterkomplexer Gedankenverächter, meinte: „Das Leben besteht in der Bewegung.“ Der Philosoph begrüßte es, dass etliche Fragen, über denen er brütete, sich für Gymnastik treibende Menschen gar nicht stellen. Im bewegten Leib können sich aufgeblähte oder sonst wie disproportionierte Gedanken weniger leicht festsetzen als im unbewegten. Das ist das mindeste, was man sagen kann, um den Nutzen der Turnanleitungen einzusehen, die der Sportpädagoge Christopher Bloss unter dem Titel „Die besten Leibesübungen aller Zeiten“ verfasst hat. Unterm Strich dieses mit allen anatomischen Wassern gewaschenen sowie mit schütterer Patina illustrierten Bewegungsmelders steht der Satz: „Der Leib vom Scheitel bis zur Sohle wird gekräftigt und gedehnt, Kraft und Flexibilität sind bald an Stellen, an denen vorher kaum Muskeln gewähnt wurden.“

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          So ist es, ein Vorher-nachher-Vergleich des treu-tüchtigen Lesers wird es bestätigen, was der Autor nüchtern als Ertrag der Lektüre vermerkt: „Unmerklich verbessert sich während der ersten Wochen des Praktizierens Ihre Koordination. Nicht selten wird schon relativ kurz nach der Aufnahme eines Übungszyklus von großem Erfolg, etwa dem Gefühl, körperlich stärker und straffer zu sein, berichtet. Nach einigen Wochen nehmen Sie dann erste leichte Veränderungen an Ihrer Figur wahr; die Muskulatur zeichnet sich deutlicher ab, bestimmte Muskelgrupen sind genauer erkennbar.“

          Nicht irgendein Fitness-Büchlein

          Man muss an dieser Stelle festhalten, dass wir es nicht mit irgendeinem Fitness-Büchlein zu tun haben, sondern mit einer Sammlung der Klassiker vom Beinabspreizen im Stehen über den Katzenbuckel bis zum seitlichen Unterarmstütz mit gebeugten Knien. Man spart, sofern man seine Existenz als Bewegungsorganismus auf dieses Buch gründet, überdies eine Menge Geld. Denn die hier aufgeführten Übungen nutzen zum Kraftgewinn ausschließlich das eigene Körpergewicht. Man braucht also keine Hanteln und Maschinen, sondern nur seinen Leib und eine Bodenmatte, und schenken kann man sich infolgedessen die kostspieligen Trainerstunden im Fitness-Center.

          Das Buch ist so abgefasst, dass es die typischen Anfängerfehler vermeiden hilft und damit einigermaßen verlässlich dem Risiko vorbeugt, das mit einer falschen Anwendung der Übungen verbunden ist, welche der Satz „Sport ist Mord“ meint. Hier, im Turnführer von Christopher Bloss, ist Sport nicht Mord, sondern ein Handwerk, das wie jedes andere Handwerk gelernt und regelgeleitet geübt werden will. Vertrauenerweckend ist beispielsweise der Hinweis, bei den Übungen den Rumpf zu betonen, statt sich nur auf die Gliedmaße zu verlegen: „Auf jede Übung der Gliedmaßen (z. B. Liegestütze) sollten mindestens zwei Übungen für die Rumpfmuskulatur folgen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die großen Bewegungsmuskeln an Armen und Beinen eine Kraftfähigkeit vorgaukeln, die Rücken und Bauch in Wirklichkeit gar nicht besitzen. Überlastungsschäden an Wirbelsäule und Schultergürtel, die sich durch Schmerzen bemerkbar machen, können die Folge sein.“ Da spricht der Praktiker, dem man sich unbesorgt anvertrauen möchte, weil er offenbar nicht nur weiß, wie es geht, sondern - gesundheitsentscheidend! - auch das Wissen um die Proportionen hat und nachvollziehbar weitergibt. Auf die richtige Mischung der Übungen kommt es an. Denn viele Muskeln funktionieren nach dem Spieler-Gegenspieler-Prinzip, das der Autor durchweg berücksichtigt: „An einer Gelenkbewegung ist nie nur ein singulärer Muskel beteiligt, sondern es gibt einen Muskel, der für die Streckung zuständig ist, während ein anderer die Beugung ausführt. Wird nur einer der Muskeln gekräftigt und der andere vernachlässigt, können sich üble Gelenkinstabilitäten entwickeln.“

          Ein persönliches Kräftigungsprogramm

          Die Einheiten zur Kräftigung gehorchen folgenden Kategorien, nach denen man sein persönliches Programm wählt: „Kurzer Übungszyklus für den ganzen Körper“, „Starke Schultern - entspannter Nacken“, „Straffe Arme - schönes Dekolleté“, „Bauch- und Rückenkräftigung“, „Gesäß und Beine wohlgeformt“. Und immer gilt: Keinesfalls mehr als dreimal pro Woche üben! „Ganz Eifrige, die vier- oder fünfmal in der Woche Leibesübungen zu machen gedenken, ziehen daraus keinen Nutzen, im Gegenteil, sie handeln sich eher Überlastungsschäden und damit reichlich Missbehagen ein. Muskeln erholen sich zwar relativ schnell von Kräftigungsübungen, Strukturen wie Sehnen, Bänder und Knorpel hingegen benötigen deutlich mehr Zeit, um sich an Kraftbelastungen anzupassen.“ Auf diesen 144 Seiten bekommen Sie Ihren Körper in den Griff.

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