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Energiewende : Der Traum von einer sauberen Welt

Für Vögel gefährlich, für die Landschaft ein Makel, für die CO2-Bilanz unverzichtbar: Soll die Energiewende gelingen, müssen mehr Flächen für Windanlagen, wie hier bei Petersberg in Sachsen-Anhalt, bereitgestellt werden. Bild: Picture Alliance

Und wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht? Christoph Podewils erklärt, wie Deutschland zur klimafreundlichen Industrienation werden könnte.

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          Deutschland hat sich viel vorgenommen. Um das auf dem Klimagipfel im Jahr 2015 in Paris beschlossene 1,5-Grad-Ziel einhalten zu können, strebt man bis 2045 die Klimaneutralität an Deshalb soll der Ausstieg aus der Kohleverbrennung möglichst rasch vollzogen und der Ausbau der regenerativen Energiequellen im Gegenzug schnell vorangetrieben werden. Schon bis Ende dieses Jahrzehnts, so der Wille der Bundesregierung, sollen erneuerbare Energiequellen 80 Prozent des Stromverbrauchs decken.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Doch der Ausbau insbesondere der Windkraft kommt nicht so voran, wie es sein müsste. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch. Hinzu kommt, dass wir bereits jetzt die höchsten Energiepreise zahlen. Wie es trotz vieler Hürden gelingen kann, Deutschland in ein klimafreundliches Industrieland zu verwandeln, ohne dabei an Wohlstand einzubüßen, möchte Christoph Podewils in seinem Buch „Deutschland unter Strom. Unsere Antwort auf die Klimakrise“ beantworten. Statt auf Verzicht und auf Änderung des Lebensstils setzt der Wissenschaftsjournalist und Politikberater vor allem auf technische Lösungen.

          Gaskraftwerke für die Versorgungssicherheit

          Elektrizität ist für Podewils die Leitenergie einer klimafreundlichen Gesellschaft. Sie ist die effizienteste Energieform und vielseitig nutzbar: zum Heizen, zur Beleuchtung oder zum Antrieb von Motoren und Kraftfahrzeugen. Sie lässt sich in großen Mengen günstig erzeugen – über Photovoltaik- und Windkraftanlagen –, elektrochemisch in Batterien speichern und mit Übertragungsnetzen überall dorthin transportieren, wo sie gebraucht wird. Deshalb wird man, davon ist der Autor überzeugt, auch beim Heizen von Wohnungen bald von Öl und Gas auf elektrische Wärmepumpen umsteigen, die Wärme aus der Umgebung gewinnen und beispielsweise über Fernwärmeleitungen an die Haushalte verteilen. Der zum Betrieb notwendige Strom muss, damit die Technik klimaneutral arbeitet, freilich aus erneuerbaren Quellen stammen. Dass es funktioniere, macht Podewils zufolge das ehemalige Ölland Dänemark vor.

          Christoph Podewils: „Deutschland unter Strom“. Unsere Antwort auf die Klimakrise.
          Christoph Podewils: „Deutschland unter Strom“. Unsere Antwort auf die Klimakrise. : Bild: C.H. Beck Verlag

          Dass der Elektroantrieb den Verbrennungsmotor ablösen wird, darüber hegt Podewils keinen Zweifel. Der Grund ist neben dem hohen Fahrkomfort auch der Umstand, dass die batteriegetriebenen Vehikel als effiziente Stromspeicher auf Rädern eine wichtige Säule der Energiewende sind. Voraussetzung dafür sei allerdings ein intelligentes Ladesystem für den grünen Strom, was aber, das räumt Podewils ein, noch in weiter Ferne liegt.

          Doch noch können Wind und Sonne nicht genug Strom für ein klimaneutrales Deutschland liefern. Deshalb müsse die Fläche für Solaranlagen, vor allem für Windanlagen rasch erweitert werden: von derzeit 0,9 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands auf mindestens das Doppelte bis 2030 – was dem Achtfachen der Stadtfläche Berlins entspricht. Ob sich die Menschen gerade in ländlichen Regionen so schnell daran gewöhnen werden, dass Windräder das gewohnte Bild der Natur sichtbar verändern, wie es Podewils glaubt, ist fraglich.

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