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Marienburg-Monographie : Ein Unikum im Trend der Zeit

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Der renovierte Hochmeisterpalast auf der Marienburg Bild: Christofer Herrmann

Wofür wurde dieser Bau geschaffen, und was geschah in ihm? Christofer Herrmann geht der Geschichte der Marienburg nach, einst Sitz des Deutschen Ordens, heute Weltkulturerbe. Sein Buch ist ein Ereignis.

          Die Marienburg (Malbork) des Deutschen Ordens im ehemaligen Westpreußen ist nicht nur eine der größten Burganlagen Europas. Sie ist auch ein Denkmal deutsch-polnischer Geschichte, darin nur dem Begriff „Tannenberg“ vergleichbar.

          Hier hat am Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Denkmalpflege ihren Anfang genommen, Friedrich Gilly, Theodor von Schön, Karl Friedrich Schinkel, Joseph von Eichendorff waren daran beteiligt. An sie knüpften unzählige preußische Bauten, Postämter, Rathäuser und die Flensburger Marineschule zu Mürwik an. Wilhelm II. residierte dort zuweilen. Hierher wurden im Jahre 1940 die Nachbildungen der 1410 erbeuteten Fahnen aus Krakau verbracht, Adolf Hitler ließ es sich nicht nehmen, die Burg im Jahre 1941 aufzusuchen.

          Hier hat aber auch polnische Restaurationskunst ihr ganzes Können gezeigt, hier an der Deutschordensburg, denn die gegen Ende des letzten Krieges schwer beschädigte Anlage war seit 1457 über dreihundert Jahre lang polnisch und ist es wieder seit 1945. Weltkulturerbe wurde sie im Jahre 1997.

          Mit westlichen Vorbildern

          Mehr noch als die schiere Größe der monumentalen Anlage hat darin die ästhetische Qualität des Hochmeisterpalastes Bewunderung erregt: Auf zentralen Säulen ruhen filigrane Gewölbe über von Licht durchfluteten Räumen. Die Schauseiten hin zum Hof und zum Fluss sind von Back- und Haustein abwechselnd fein und durchsichtig gegliedert – wobei übersehen wird, dass die Hauptfassaden ehemals weiß verputzt waren und sich von dem backsteinsichtigen Rest der Burg abhoben. Die Repräsentationsräume waren dagegen nicht weiß gehalten, sondern teils mit grünen Gewölberanken verziert, teils in für uns Heutige befremdlich orangenem Ton angestrichen.

          Christofer Herrmann: „Der Hochmeisterpalast auf der Marienburg. Konzeption, Bau und Nutzung der modernsten europäischen Fürstenresidenz um 1400.“

          Die Baudaten waren unklar, stets hat man vermutet, dass die Vorbilder im Westen liegen müssten, in England, in Frankreich oder wenigstens im Rheinland, ohne dass doch irgendetwas hätte bewiesen werden können.

          Kaum einmal wurde mit Ernst und Fleiß die Frage gestellt, wozu der viergeschossige Bau eigentlich diente. Sicher, der Hochmeister war seit 1226 einem Fürsten gleichgestellt. Der hochverdiente Königsberger Archivar Johannes Voigt hat im Jahre 1830 ein „Stilleben“ davon ausgemalt, wie es an seinem Hofe zuging. Dabei kam ihm zu Hilfe die Entdeckung anno 1819 – die aufgeregte Schilderung ist im Band enthalten – des einzig erhaltenen und wohl auch je existierenden Rechnungsbuches (Treßerbuches) der Hochmeisterkasse über die Jahre 1399 bis 1409, in denen zahlreiche Herolde, Gaukler, Narren und fremde Gäste vorkommen. Zur Baugeschichte des Palasts ließ sich ihm aber wenig entnehmen, denn zu dieser Zeit war er schon vollendet.

          Ein Bauwerk in zwei Schritten

          Christofer Herrmann, der lange in Allenstein (Olsztyn) und Danzig (Gdańsk) gelehrt hat, ist der polnischen Sprache mächtig und hielt engen Kontakt zur polnischen Forschung, ohne immer mit ihr einig zu sein. Seit langem als einer der besten Kenner der Architektur des Deutschen Ordens ausgewiesen, hat sich der Autor unbeantworteter Fragen des „Wer Wann? Weshalb? Wie?“ in einem glänzend ausgestatteten Band angenommen.

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