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Bushidos Buch : Ein bisschen Frieden

  • -Aktualisiert am

Immer mitten in die Fresse rein: Bushidos Themen sind offensichtlich massentauglich Bild: picture-alliance/ dpa

Die Autobiographie des Berliner Rappers Bushido, der sich gerne als böser Gangster gibt, schaffte es an die Spitze der Bestsellerliste. Bushido schreibt darin, wie man Platten verkauft und anderen die Fresse poliert. Ein Buch für Herzschmerzfans.

          Es muss einfach sein, Bushido zu sein. Das Leben ist so schön übersichtlich. Alle Frauen sind Nutten außer Mama, wer seine Mutter beleidigt, kriegt in die Fresse, wer seine Mutter beleidigt, kriegt in die Fresse, wer seine Mutter beleidigt, kriegt in die Fresse, viel mehr ist da eigentlich nicht. Ach so, ja, noch ein paar holprige Texte, und der seltsame Umstand, dass er es mit ihnen tatsächlich zum Millionär gebracht hat, was wahrscheinlich mehr über die Leute aussagt, die seine Musik kaufen, als über sein Talent („Mama, für dich schreib ich hier drinnen einen Vers, / Mama, denn sie haben deinen Jungen eingesperrt“).

          Jetzt hat Bushido sein bisher dreißigjähriges Leben aufgeschrieben, zusammen mit dem gleichaltrigen Co-Autor Lars Amend. Stolze 425 Seiten sind es geworden, was kein Wunder ist, denn Bushido gibt sich so auskunftsfreudig wie ein kleines Schulmädchen. Seiten-, kapitelweise geht es darum, wer wann was zu wem gesagt hat, und was wer dann zu wem zurückgesagt hat, und wie dann wer geguckt hat, und was wer dann noch Krasses hinterhergesagt hat, und wer daraufhin wem seine Mutter beleidigt hat, woraufhin es dann natürlich, Sie ahnen es, auf die Fresse gab.

          Alles ist Reflex

          Dabei hat Bushido manchmal gar keine Lust auf Auseinandersetzungen. Aber sowie irgendjemand irgendwie despektierlich seine Mutter erwähnt, und sei das auf einem von Bushido-Konzertbesuchern maliziös in die Höhe gehaltenen Plakat mit der Aufschrift „Hurensohn“ (von Bushido „das H-Wort“ genannt), muss er ihre Ehre verteidigen, es ist ein Reflex, er kann nicht anders, ähnlich muss es Stieren gehen, die Rot sehen. Oder Zinédine Zidane.

          Bushido wurde als Anis Mohamed Ferchichi in Bonn geboren. Seine Mutter ist eine zum Islam konvertierte Katholikin aus Würzburg, die sich von seinem tunesischen Vater trennte, als Bushido vier Jahre alt war. Das Buch liefert eine psychologische Erklärung für das enge Verhältnis zwischen Sohn und Mutter. Als Dreijähriger musste Bushido mitansehen, wie sein Vater seine Mutter krankenhausreif prügelte; später unterstützte sie seine Dealerkarriere, indem sie ihm das benötigte Startkapital von 450 DM gab.

          Hauptsache Plattenverkaufen

          Das Buch, das zugegebenermaßen so flott geschrieben ist, dass man ab der Hälfte sogar beinahe ohne zu zucken über die Jugendsprache hinwegliest („ich hatte einen überkrassen posttouralen Abfuck“), handelt von drei Themen. Von Frauen, vom Musikbusiness und vom Ego des Erzählers, das geräumig genug ist, sich mit dem Erfinder der Relativitätstheorie gleichzusetzen: „Einstein chillte damals auch mit seinen Streber-Kumpels und grübelte über irgendwelche Theoriechen nach. Wir sitzen halt im Café, rauchen Wasserpfeife und überlegen, wie wir noch mehr Platten verkaufen können. Wo liegt der Unterschied? Es gibt keinen.“

          Leider ist das Thema Plattenverkaufen für niemanden außerhalb der Musikindustrie sonderlich interessant. Warum jemand wann seine Plattenfirma gewechselt hat und wie der neue Deal aussah – wen kümmert’s? Oder welche Plattenfirmen-PR-Frau einen auf welcher Branchenparty blöd von der Seite angequatscht hat? All das wird in vielen, vielen Kapiteln ausgebreitet, die Welt von Bushido scheint diesbezüglich nicht größer zu sein als eine Minidisc.

          Der letzte Weg zum Leserherz

          Auch was Frauen angeht, ist sein Radius begrenzt. Neben Mama gab es eine gewisse Selina, die ihm das Herz gebrochen hat. Seither bestraft er jede, die sich mit ihm einlässt, mit größtmöglicher sexistischer Verachtung, und leider scheint es davon genug zu geben, es reicht jedenfalls für ein paar locker unter der Gürtellinie heraus geschriebene Kapitel. Selina habe aus ihm einen „skrupellosen Sex-Gangster“ gemacht, schreibt Bushido, „Sie hat ein Monster erschaffen“. Die Frauenwelt zittert.

          Am Ende wird es dann rührselig. Da besucht er seinen Vater, weil er sich auf Anraten eines Freundes daran erinnerte, dass dieser Mann immerhin sein Vater ist, und erfährt, dass dieser Krebs hat. Auch seine Mutter ist inzwischen an Krebs erkrankt. In einer tränenreichen Schluss-Szene führt Bushido die beiden zusammen, wenigstens für ein Gespräch, und vergibt seinem Vater. Leider wirkt das, auch wenn es natürlich tragisch ist, unangenehm voyeuristisch, als greife hier einer, der sich die vorangegangenen 400 Seiten in Angeberpose eher nur mittelsympathisch präsentiert hat, zum letzten und äußersten Mittel, das Herz seiner Leser zu erweichen. Es soll wohl die Geschichte einer Läuterung sein.

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