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Bücher über Karl Valentin : Hirn kann nur verlieren, wer eins hat

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Bild: Verlag

Grantig war er, aber ein Clown war er nicht: Zwei Bücher über Karl Valentins politisches Schicksal zwischen anarchischem Humor und Flüsterwitz.

          Der Komiker Karl Valentin teilte mit Adolf Hitler nicht nur die Liebe zu München; der Diktator war 1937 sogar bereit, Valentin für dessen Sammlung von Fotografien und Ansichtskarten dieser Stadt eine lebenslange Leibrente von monatlich tausend Mark auszusetzen, weil er - zu Recht - befürchten musste, der Komiker würde den geforderten und auf einmal ausbezahlten Gesamtbetrag von 100 000 Mark für einen neuen Film aufwenden. Gleichzeitig sah sich Valentin durch eine Reihe von "Flüsterwitzen" über Hitler, die unter seinem Namen kursierten - "Der Hitler hat Glück ghabt, dass er nicht Adolf Kräuter ghoaßn hat, sonst hätt ma immer ,Heil Kräuter' schrein müassn" -, der Gefahr nationalsozialistischer Verfolgung ausgesetzt und ließ seine Beteiligung öffentlich mehrfach dementieren, wiewohl sein entschiedener Einspruch gegen das Regime zwischen den Zeilen seiner Bühnenauftritte ebenso oft bezeugt ist und von Hitler besuchte Vorstellungen seines zeitweiligen Lieblingskomikers in vorauseilendem Gehorsam zensuriert wurden.

          Wie ist dies zu erklären? Zwei Neuerscheinungen widmen sich dem Leben von Karl Valentin in politisch bewegten Zeiten im Allgemeinen, seinem Verhältnis zur Politik im Besonderen. Der Regensburger Historiker Josef Memminger erfüllt die durch die Valentin-Biographien von Monika Dimpfl und Michael Schulte mittlerweile gut befestigten Gemeinplätze der Valentin-Biographik stilistisch durchaus ansprechend mit Leben. Die für die Reihe "kleine bayerische biografien" charakteristischen Info-Kästchen führen unter dem Titel "München im Wandel" eindringlich die geschichtlichen Hintergründe vor Augen.

          Über den Titel, "Der grantige Clown", braucht man allerdings nicht zu streiten: Karl Valentin war so wenig ein "Clown" wie Groucho Marx (während Harpo sehr wohl ein Clown war), denn Clowns sind, bis auf Gefühlsäußerungen und Affektentladungen wie Seufzen, Kichern oder Weinen, stumm. Valentin ist in seiner Verzweiflung an den Tücken der Alltagssprache aber beredt und geschickter, als es der akrobatisch virtuoseste "Clown" in seinen Auseinandersetzungen mit den Tücken von Alltagsobjekten sein könnte.

          Diese sprachliche Heimtücke brachte Valentin schon im Ersten Weltkrieg ein sechswöchiges Auftrittsverbot wegen der Majestätsbeleidigung von König Ludwig III. von Bayern ein, als er 1917 auf der Bühne berichtete, wie am Hauptbahnhof die Gehirnverletzten von der Front in Krankenwagen verladen und ins Spital gefahren wurden: "Die Rotkreuzautos haben gar keine Gummiradel mehr gehabt wegen der Rationierung. Grad g'scheppert und g'wackelt haben sie, diese Krankenautos - aber, es war das reinste Wunder, die Verletzten habens Hirn nicht verloren dabei. Ankommen sind's damit! Und gestern hat der König sie besucht. Mit seinem Auto. Das hat natürlich schöne Gummiradel g'habt. Der hätt aber keine Gummiradel braucht, denn der hätt ja sowieso kein Hirn verloren."

          Parallelschicksale anderer Komiker

          Einen vergleichbar anarchischen Humor hat in seinem Witz, die Sprache gegen sich selbst ins Feld zu führen, um die verhängnisvollen, den klaren Verstand vernebelnden Phrasen der Politik zu entlarven, nur der Valentin-Bewunderer Karl Kraus in seinem Drama "Die letzten Tage der Menschheit" gepflegt. Dieser sprachlichen Heimtücke entspringt auch das ebenso skeptische Verhältnis von Valentin zur Politik, wie der Münchner Schriftsteller Alfons Schweiggert, der schon mit verschiedenen Monographien zu Valentin hervorgetreten ist, in seinem Buch über die "Einmischung in die Nichteinmischung" dokumentiert.

          Erhellend ist dabei, dass Schweiggert auch Parallelschicksale von anderen Komikern im Dritten Reich wie Werner Finck (mit Berufsverbot belegt), Kurt Gerron und Fritz Grünbaum (die beide im Konzentrationslager ums Leben gekommen sind) beizieht. Valentin hat nach dem Krieg bekannt, dass er aus Angst durchaus in die NSDAP eingetreten wäre, wenn man ihn nur dazu genötigt hätte.

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