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Bücher über Friedrich den Großen : Er wusste seine Rollen wunderbar zu spielen

„Friedrich auf einen Janustempel weisend“ (1763) von Johann Heinrich Christian Franke Bild: dpa

Ein Feldherr, ein Dichter und ein Landesvater auch: Aus Anlass des dreihundertsten Geburtstags von Friedrich dem Großen widmen sich neue Bücher allen Facetten des Preußenkönigs.

          Was hat er nun wirklich gesagt, als seine Soldaten in der Schlacht von Kolin davonliefen - „Hunde, wollt ihr ewig leben?“ Oder „Racker“? Oder gar „Kerls“? Johannes Unger und Jan Martin Ogiermann entscheiden sich in ihrem Buch über Friedrich den Großen für „ihr Racker“, aber eine Klärung der Zitatfrage bedeutet das natürlich nicht. Sicher ist, dass Friedrich seine Soldaten einerseits verachtete - auf Französisch nannte er sie „bougres“, also „Pack“, „Gelump“ -, andererseits leutselig mit ihnen am Lagerfeuer saß und plauderte. Ein „Königtum der Widersprüche“, wie Theodor Schieder es nannte, zeigte sich darin vielleicht noch nicht (schließlich gaben sich auch andere hochgeborene Feldherren volksnah), aber doch eine Herrschaft mit vielen Gesichtern.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Jede Beschäftigung mit Friedrich dem Großen verläuft sich irgendwann im Pulverdampf der Legende. Unger und Ogiermann suchen dieser Gefahr zu entgehen, indem sie sich ganz ans Faktische und Erwiesene halten und ihren Text durch eingeblendete Informationsblöcke - „Exkurse“ und „Länderskizzen“ - zusätzlich strukturieren. Außerdem erzählen sie fast durchweg im Präsens: „Friedrich will weg.“ - „Friedrich Wilhelm hasst die Prädestination.“ - „Der Missetäter versucht zu beschwichtigen.“ - „Zu Beginn des siebten Kriegsjahres stehen die preußischen Aktien schlecht.“ Der lagerfeuergemäße Reportageton, bei dem man die Taten und Leiden Preußens gleichsam live serviert bekommt, geht freilich auf Kosten des Charakterbilds.

          „Friedrich - Ein deutscher König“ ist keine Biographie, sondern ein Dossier. Der Lebensweg des Monarchen, vom Kampf mit dem Vater über Reformen und Kriege bis zur mythischen Erstarrung im Alter, wird säuberlich abgearbeitet, aber sein Porträt bleibt verschwommen.

          Dass der König seine jüdischen Untertanen nach Strich und Faden ausnahm und ihnen wie ein Mafia-Patron Schutzgelder abpresste, führen die beiden Autoren - von denen Ogiermann, der die Texte für Unger „recherchiert und vorbereitet“ hat, nur als Mitarbeiter firmiert - so meinungsstark wie unhistorisch auf Friedrichs „antisemitische Haltung“ zurück. Zu seinem Regierungsstil, seiner Weltwahrnehmung, seiner Politik und Schriftstellerei geben sie dagegen nur wieder, was frühere Historikergenerationen bereits an Erkenntnissen zusammengetragen haben.

          Dafür aber ist ihre Behandlung des Materials, von Einschüben unverdauter älterer Pathos-Prosa abgesehen - „Friedrichs Angriffe scheitern blutig, aber der Reitergeneral Ziethen (sic!), der den rechten Flügel kommandiert, rettet mit einem letzten Angriff den Tag“ - angenehm sachlich in Gliederung und Stil. Eine souveräne, Wissenschaft und Erzählkunst verbindende Neubewertung Friedrichs des Großen sähe allerdings anders aus.

          Wie man es viel schlechter machen kann, zeigt Tom Goellers Buch über den „Alten Fritz“. Hier sind die Exkurse in den Text geklöppelt, der so zu einer Art Flickenbild der Goellerschen Recherche wird, an Unübersichtlichkeit mindestens der damaligen Landkarte des Heiligen Römischen Reichs vergleichbar. Alle Nase lang fällt dem Autor zu seinem Thema irgendein Schmankerl ein. Bei Friedrichs Freigeisterei denkt er an die Freimaurer Carlo Schmid und Holger Börner, bei den „preußischen Tugenden“ an Statements von Helmut Schmidt und Angela Merkel, und auch die Skandalgeschichte um den Freiherrn von der Trenck wird in aller Breite ausgewalzt - wobei Goeller „aus meiner Erfahrung als langjähriger Politik-Journalist“ immer denjenigen Versionen des Geschehens den Vorzug gibt, an denen die Berufshistoriker Zweifel haben.

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