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Einige Beispiele des behandelten Bildungswortschatzes: Coverillustration des Buches von Gerhard Augst Bild: Olms Verlag

Buch über Bildungswortschatz : Intention ist nicht mit Intension zu verwechseln

  • -Aktualisiert am

Die idiosynkratischen Narrative der Power-Holder im Lackmus-Test: Gerhard Augst kartiert den Bildungswortschatz und verrät, welches Medium den höchsten Ausstoß produziert.

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          Was bedeuten Damaskuserlebnis, Desiderat, rekurrieren, à la longue und Narrativ? Wer es weiß, ist nicht unbedingt gebildet, kann aber zumindest die Rätselfragen zum Bildungswortschatz beantworten, die Gerhard Augst in einem YouTube-Video stellt. Die Auswahl der Wörter mit ihrer lateinischen oder französischen Herkunft, ihren religiösen und kulturellen Wurzeln vermittelt einen Eindruck von dem, was der Autor, der in den neunziger Jahren als Orthographiereformer bekannt wurde, unter „Bildungssprache“ versteht.

          Es ist eine Stil- und Kommunikationsform, die zwischen der Familiarität der Alltagssprache und dem Spezialistentum der Fachsprachen angesiedelt ist. Sie dient Menschen – oft mit höherem Schulabschluss – dazu, über politische, kulturelle, wissenschaftliche Themen möglichst differenziert zu sprechen und zu schreiben, ohne dass sie selbst Experten auf diesen Gebieten sind. Ihr Satzbau und ihr Wortschatz machen das aus, was man früher eine kultivierte Sprache nannte. Die Abgrenzung zu fachsprachlichen Wörtern ist nicht immer leicht, oft liegen die Unterschiede nur in der Bedeutung: So ist der „Lackmustest“ wörtlich genommen ein Fachbegriff der Chemie, in seiner weiter gefassten Bedeutung als Prüfstein aber Bestandteil der Bildungssprache.

          Dreitausend Wörter sollen es sein

          Zwar behandelt das Buch, das selbst in einem gut lesbaren Bildungsdeutsch geschrieben ist, auch grammatische und stilistische Aspekte der Bildungssprache, aber sein Schwerpunkt liegt auf ihren Wörtern. Deren Zahl beziffert Augst auf etwa dreitausend. Das ist ein winziger Bruchteil des Gesamtwortschatzes, der – ohne allzu spezialisierte Fachausdrücke – über vierhunderttausend Wörter umfasst. Ein Bereich, in dem Bildungswörter sich häufen, sind die sogenannten Qualitätsmedien. Ein zahlenmäßiger Vergleich, den Augst zwischen „Spiegel“, „Zeit“ und der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.) zieht, weist der „Zeit“ den größten Ausstoß an Bildungswörtern zu; es folgen F.A.S. und „Spiegel“.

          Augst unterscheidet einen klassischen von einem modernen Bildungswortschatz: Die klassische Abteilung speist sich vor allem aus der antiken Überlieferung, der Bibel, der Philosophie und der Literatur. Hier verkündet man ein „Credo“, stellt die „Gretchenfrage“, empfängt die „Hiobsbotschaft“ und ruft „Sapere aude!“. Wesentlich für die Tradierung dieses Wortschatzes waren früher das humanistische Gymnasium und die christliche Unterweisung. Beider Bedeutung ist längst geschwunden, und dementsprechend matt ist der Glanz dieses Vokabulars geworden. Etliche seiner Ausdrücke sind veraltet, andere werden zwar noch häufig benutzt, aber der Umgang mit ihnen wird unsicher, weil man ihre Bedeutung nur noch vage kennt.

          Hakende Definitionen

          Augsts Buch ist ebenso sehr Beschreibung wie Symptom dieses schleichenden Verlusts. Immer weiter in den Vordergrund schiebt sich demgegenüber der moderne Bildungswortschatz, dessen Quellen vor allem die Technik und die Naturwissenschaften, aber auch die Geistes- und Sozialwissenschaften sind. Hierher gehören Ausdrücke wie Simulation, Essential oder Diversity, Schwarmintelligenz, Placebo-Effekt oder Kollateralschaden. Griechisch und Latein, die wichtigsten Wurzeln des klassischen Bildungswortschatzes, sind auch hier präsent, allerdings oft in anglisierter Form.

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