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Colum McCanns neues Buch : Sorge dich nicht, klebe

  • -Aktualisiert am

Literatur des irischen Schriftstellers Colum McCann: „Briefe an junge Autoren“. Bild: dpa

Im Notfall muss man eben Versatzstücke aneinander setzen, bis das Buch voll ist. Und an dunklen Orten die Fackel nicht vergessen! Colum McCann gibt heiße Tipps für junge Schriftsteller.

          2 Min.

          Dass man noch mehr abgenutzte Phrasen und Gemeinplätze aneinanderreihen könnte als Franzobel in seiner Klagenfurter Rede zur Literatur (F.A.Z. vom 9. Juli), schien kaum möglich. Aber am vorliegenden Buch zeigt sich, dass es sogar noch viel ausdauernder und schlimmer geht: Colum McCann, der 1965 in Dublin geborene und heute in New York lebende Schriftsteller und Gewinner des National Book Award, der seit einigen Jahren auch Schreibkurse gibt, hat damit jetzt 180 Seiten gefüllt, bei deren Lektüre man spätestens nach einem Drittel meint, einer Gehirnwäsche unterzogen zu werden. „Briefe an junge Autoren“ heißt das Bändchen in Anlehnung an Rainer Maria Rilkes Anfang des vorigen Jahrhunderts verfasste und postum veröffentlichte „Briefe an einen jungen Dichter“.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Ohne hier über McCann als Erzähler urteilen zu wollen: McCann als Dozenten muss man sich in etwa so vorstellen wie eine Mischung aus Dale Carnegie, Paulo Coelho und dem Guru, den Tom Cruise in dem Film „Magnolia“ spielte. Im Grunde ist das Buch eine Aneinanderreihung von Imperativen, die wie aus Streichlisten in Ratgeberliteratur gefallen klingen: „Seien Sie nicht gehemmt. Geben Sie nicht auf. Werden Sie gefährlicher.“ Jede Ermahnung wird abgelöst von einer raunenden Ermutigung.

          Eine Predigt gegen die Predigt

          Der Wert des Literarischen scheint hier fast deckungsgleich mit Gutmenschentum zu sein: Schreiben als Mittel „Gegen die Gier. Gegen Mauern“ und außerdem, da staunt man nun: „Gegen die Vereinfachung. Gegen dümmliche Ignoranz.“ Die Regeln, die der Verfasser aufstellt, fallen oft sofort auf ihn zurück („Keine Predigten. Keine Vorträge“), und man wünschte, er würde doch das Echo seiner Parolen hören: „Gehen Sie an dunkle Orte, aber nehmen Sie eine helle Fackel mit.“

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          Wie McCann ständig Wahrheiten verkündet, nur um im nächsten Satz das Gegenteil zu behaupten, grenzt an Schizophrenie. Zum Beispiel in einem Kapitel über Schriftstellerei und Depression, wo es zunächst heißt: „Depressionen sind ein Berufsrisiko.“ Dann: „Aber schwelgen Sie nicht darin.“ Dann wieder: „Alle guten Bücher handeln auf die eine oder andere Weise vom Tod. Feiern Sie ihn.“ Dann wieder: „Depressiven Verstimmungen sollten Sie sich bitte nicht vollkommen ausliefern.“

          Die pragmatischen Hinweise erschöpfen sich in Banalitäten wie „Führen Sie ein Notizbuch mit“, „Machen Sie Pausen“ oder, kein Witz, der mehrfachen Aufforderung „Schreiben Sie!“. Zur Heilung von dieser Plapperitis möchte man McCann das jüngst erschienene Büchlein eines gewissen Peter Hanke mit dem Titel „Versuch über das Nichtschreiben“ empfehlen – eine zwar arg platte Satire auf die bekannten „Versuche“ Peter Handkes, deren Witz nach kurzer Zeit auch verpufft ist, die aber immerhin einen Vorteil hat: Nach etwa dreißig Seiten bricht der Text einfach ab, und es folgen nur noch unbedruckte Blätter.

          Colum McCann: „Briefe an junge Autoren“. Mit praktischen und philosophischen Ratschlägen. Aus dem Englischen von Thomas Überhoff. Rowohlt Verlag, Reinbek 2017. 185 S., geb., 12,– €.

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