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: Braucht Kafka Esprit?

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Die Biographie als unbeschwerte Erzählform hat bei den Briten gute Tradition. Nicholas Murray schenkte dem englischen Publikum mit "Kafka" 2004 ein lesbares Buch, das eine umsichtige Einführung in das Gesamtwerk mit einer Analyse des höchst komplizierten Lebens verknüpft. Es versteht sich von selbst, dass ...

          Die Biographie als unbeschwerte Erzählform hat bei den Briten gute Tradition. Nicholas Murray schenkte dem englischen Publikum mit "Kafka" 2004 ein lesbares Buch, das eine umsichtige Einführung in das Gesamtwerk mit einer Analyse des höchst komplizierten Lebens verknüpft. Es versteht sich von selbst, dass darin neben Kafkas vertrackten Familienverhältnissen und seinen Krankheiten auch die gescheiterten Beziehungen zu Felice Bauer, Milena Jesenská und Dora Diamant eine prominente Rolle spielen. Der deutsche Verlag hat nun für die Übertragung - über den Kopf des Autors hinweg - den reißerischen Titel "Kafka und die Frauen" gewählt. Damit werden Enthüllungen oder wenigstens neue Thesen in Aussicht gestellt, die man hier vergeblich sucht. Dass Kafka in diesem Bereich "das Mögliche unmöglich" war, wie er selbst sagt, weiß man seit langem. Der Versuch, diese Übersetzung neben der jüngsten Biographie von Peter-André Alt (F.A.Z. vom 5. Mai 2006) auf dem deutschen Markt zu plazieren, ist allzu durchsichtig. Statt aber mit akademischen Ansprüchen zu konkurrieren, lädt Murray durch gut gewählte Zitate zur Wiederlektüre von Kafkas Briefen, Tagebüchern und Prosaschriften ein und bietet ein Panorama des jüdischen Lebens in Prag. Dem Buch mangelt es indes an Esprit und Pointen. Wie das selbst im ganz kleinen Format gelingen kann, zeigt Ritchie Robertsons "Kafka. A Very Short Introduction" (Oxford 2004). Dieses Büchlein von nur 136 Seiten hätte viel eher eine Übersetzung verdient. (Nicholas Murray: "Kafka und die Frauen". Biographie. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf 2007. 348 S., geb., 24,90 [Euro].) kos

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