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Neue Biographien zu de Gaulle : Er liebte Frankreich mehr als die Franzosen

  • -Aktualisiert am

Deine Mimik war eindrucksvoll, und das Geschick, mit dem er der Festlegung in entscheidenden Fragen durch eher rätselhafte Formulierungen entkam, war es auch: Charles de Gaulle auf einer Pressekonferenz im November 1967. Bild: raymond depardon / Magnum Photos

Er prägte die französische Geschichte und schuf den Grundriss der heutigen Fünften Republik: Wer das politische Leben unseres Nachbarlands verstehen will, kommt an Charles de Gaulle nicht vorbei.

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          Das Leben Charles de Gaulles war ein politisches Abenteuer, das im zwanzigsten Jahrhundert seinesgleichen sucht. Zweimal, im Abstand von fast zwei Jahrzehnten, übernahm er Verantwortung für Frankreich: im Juni 1940, als er von London aus dem schwer geschlagenen und von der deutschen Armee in Teilen besetzten Land über die BBC zurief, Frankreich habe eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg, und sich zum Chef der „freien Franzosen“ erklärte – um 1944 tatsächlich als Befreier in Paris einzuziehen. Beim zweiten Mal, 1958, wurde er gerufen, um Frankreich in den Wirren der Algerien-Krise vor einem Bürgerkrieg zu retten. De Gaulle begründete die Fünfte Republik, deren auf ihn als „Führer der Nation“ zugeschnittene Verfassung immer noch in Kraft ist, und führte sie elf Jahre lang. Wie kein anderer Politiker hat er Frankreich im zwanzigsten Jahrhundert geprägt. Julian Jackson, Historiker an der Universität London, und Johannes Willms, der mit mehreren Büchern zur französischen Geschichte hervorgetreten ist, haben ihm nun neue Biographien gewidmet.

          De Gaulles Familie war erzkonservativ – der Vater, Professor an einem renommierten Pariser Jesuitenkolleg, blieb zeitlebens Monarchist – und streng katholisch. Der Sohn entschied sich früh für den Soldatenberuf. Geprägt wurde er von dem „integralen Nationalismus“ von Maurras, Barrès oder Péguy: Die berühmte Formulierung zu Beginn seiner Memoiren, er habe immer „eine bestimmte Idee von Frankreich“ gehabt, findet sich wörtlich bei Barrès. Interessant ist, dass Jackson zu den frühen Einflüssen auf de Gaulle auch den Philosophen Henri Bergson zählt, dessen Theorie vom „élan vital“ sich als eine Art Handlungslehre nehmen ließ: Nicht allein der Intellekt, sondern auch der Instinkt sind Voraussetzungen für den Willen zur Tat. Der junge de Gaulle bewunderte auch Lazare Carnot, der das französische Revolutionsheer schuf, oder Georges Clemenceau, einen Politiker der republikanischen Linken. Er war ein begabter Student der Militärakademie Saint-Cyr, verdarb es sich mit seinen Lehrern und Vorgesetzten aber oft wegen seiner hochmütigen Art und starrsinniger Rechthaberei.

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