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Bernd Hüppauf: Was ist Krieg? : Auch im Cyberwar werden Körper getroffen

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Bild: transcript

Von den antiken Stadtstaaten des Nahen Ostens bis zur Drohnentechnik der Gegenwart: Bernd Hüppauf schreibt eine weit ausgreifende Kulturgeschichte des Krieges.

          Eine prähistorische Höhlenmalerei im Matobo-Nationalpark von Zimbabwe zeigt eine Gruppe von zehn Männern, die sich gegenseitig mit Pfeil und Bogen bekämpfen. Einige von ihnen liegen bereits tot am Boden, andere werden gerade von ihren Gegnern niedergestreckt. Als Forscher des Frobenius-Instituts dieses Felsbild 1928 entdeckten, zweifelten sie nicht daran, die Darstellung eines Kriegs vor sich zu haben. Weshalb waren sie sich darin so sicher? Gab es tatsächlich auch schon im Paläolithikum Kriege, oder projizierten sie in die frühe Menschheitsgeschichte nur, was Europa ein Jahrzehnt zuvor zutiefst erschüttert hatte? Was ist Krieg eigentlich? Was unterscheidet ihn von Mord und Totschlag?

          Dem Literaturwissenschaftler Bernd Hüppauf zufolge wäre es verfehlt, wollte man im Krieg nur eine Abfolge von gewaltsamen Handlungen sehen, die auf die Unterwerfung des Gegners zielen. Vielmehr stelle er ein komplexes Phänomen aus Erzählungen und Imaginationen, aus Propaganda, Polemiken und Bildern dar. Erst seine Einbettung in den gesellschaftlichen Diskurs verleihe ihm die Bedeutungen, aus denen er seine gemeinschaftsbildende und identitätsstiftende Wirkung bezieht. Einer Kulturgeschichte des Krieges könne es daher nicht um die Realität des Kriegs, sondern um die Vorstellungen, die Menschen sich von ihm machen, gehen. Oft sind es auch erst diese Vorstellungen, durch die einzelne Vorfälle in den Rang verursachender historischer Ereignisse erhoben werden. Hüppauf zeigt dies am Prager Fenstersturz, der zunächst nur eine skurrile Episode war, der dann aber in einen umfassenden Kriegsdiskurs eingebunden und zum Auslöser des Dreißigjährigen Kriegs erklärt wurde.

          Rezeption ist kulturell kodiert

          Einzelne Ereignisse tragen ihre Bedeutung also nicht schon in sich. Wird sie ihnen erst post festum zugeschrieben, so kann sie ihnen später auch wieder abgesprochen werden. Viel hängt dabei von der Erinnerung ab. Denn mit ihr, die sich im kulturellen Gedächtnis immer wieder von neuem formiert, ändert sich auch der Charakter eines Ereignisses selbst.

          Nun könnte man dem entgegenhalten, dass sich nur wenige Ereignisse ähnlich intensiv in das Gedächtnis einprägen wie die mit Entbehrungen, Schmerzen und Todesangst verbundenen des Kriegs. Wie wir sie verarbeiten, bleibt gleichwohl kulturell kodiert. Es hängt von den jeweiligen gesellschaftlichen Normen ebenso ab wie von den technologischen Möglichkeiten, über die jede historische Epoche verfügt. Die aber haben seit dem Beginn der Moderne nicht nur zur Produktion von immer effektiveren Kriegswaffen geführt, sondern auch der Manipulation des kollektiven Gedächtnisses Tor und Tür geöffnet.

          Unmittelbarkeit versprochen, gestelltes Bild erhalten

          Fotografie und Film eigneten sich zu diesem Zweck gerade deshalb so gut, weil sie ein so hohes Maß an Authentizität versprachen. Aus der Kriegsberichterstattung waren sie bald nicht mehr wegzudenken. Fotografen suchten den Wirklichkeitsanspruch ihrer Aufnahmen noch dadurch zu verstärken, dass sie durch die gewählten Perspektiven und Einstellungen Unmittelbarkeit suggerierten. Tatsächlich aber waren einige der berühmtesten Kriegsfotografien des zwanzigsten Jahrhunderts gestellt: Das trifft auch auf Robert Capas bekanntes Bild eines im Lauf von einer Kugel getroffenen Milizionärs zu, das bis heute als eine der großen Ikonen des Spanischen Bürgerkriegs gilt.

          Steht in dieser Tradition möglicherweise auch die Ästhetik der unprofessionell wirkenden und verwackelten Handybilder aus den Ländern der „Arabellion“, die bei uns allabendlich über den Bildschirm flackern? Zur Verbreitung von Kollektivängsten und Feindbildern trugen die Medien nicht wenig bei.

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