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Ben Mezrich: The Accidental Billionaires : Privatsphäre, sagt Zuckerberg, ist nicht mehr zeitgemäß

  • -Aktualisiert am

Bild: Doubleday

Gefangen im Netz der Freunde: Ben Mezrich erzählt die Gründungsgeschichte von Facebook.

          Man nehme zwei Freunde, die von den anderen Jungs ausgelacht werden, ein Abenteuer, das ihnen vor die Füße fällt, und einen großen Triumph, der ihnen das Lob der Erwachsenen und viele hübsche Mädchen einbringt. Verteilt auf 250 Seiten, gäbe das ein wenig originelles Jugendbuch. Doch kommen noch einige Milliarden Dollar, Intrigen und eine Visitenkarte mit der Aufschrift „I'm CEO - Bitch“ ins Spiel, ist es die wahre Geschichte von Mark Zuckerberg, einem der Jungs, und seinem großen Abenteuer: Facebook. Die Gründungsgeschichte des Netzwerks, wie Ben Mezrich sie in „The Accidental Billionaires“ erzählt, beginnt in den Schlafzimmern von blassen Studenten und endet in Büros von Investoren, deren Millionen Zuckerberg kühl ablehnt. Es ist die Geschichte eines Über-Underdogs.

          Zuckerberg, der Über-Underdog

          Dass ausgerechnet der dem Autor, der fleißig und gut recherchiert hat, kein Interview gewährte, erscheint verständlich. Während seiner Studienjahre in Harvard galt Zuckerberg unter den Kommilitonen als wortkarger, unergründlich lächelnder Nerd, und er hat keinen Grund, an diesem Ruf zu arbeiten. Vor wenigen Wochen trat er bei der Facebook-Entwickler-Konferenz „f8“ so auf wie Gleichaltrige in der Mensa: Jeans, Turnschuhe, Schüchternheit. Er verhaspelte sich, lachte an Stellen, die dem Publikum nicht lustig erschienen, und verkündete schließlich die Übernahme des Internets durch Facebook. Offiziell ging es um kleine Buttons, doch wie groß er Kleines machen kann, hat Zuckerberg längst bewiesen.

          Facebook ging am 4. Februar 2004 als exklusives Netzwerk für Harvard-Studenten online. Wer mitmachen wollte, musste sich mit einer E-Mail-Adresse der Eliteuniversität anmelden. Dass Zuckerberg zuvor schon mit der Internetseite Facemash, auf der man Fotos von Studenten nebeneinanderstellen und bewerten konnte, für Aufsehen auf dem Campus gesorgt hatte; dass er die Million ausgeschlagen hatte, die Microsoft ihm einst für ein von ihm programmiertes Plug-In, das MP3-Playern die Vorlieben seiner Nutzer beibrachte, bot; dass er, vom Bildschirmlicht angestrahlt, im Zimmer saß und sich an Algorithmen berauschte, während die anderen Studenten Wodka tranken - es sind Begebenheiten, die Geschichte sind und dennoch viel über den heutigen Zuckerberg und das, was Facebook noch werden könnte, verraten.

          Denn Zuckerbergs im Januar dieses Jahres geäußerte Meinung, Privatsphäre sei nicht mehr zeitgemäß, spricht schon 2003 aus seinen Taten (und dafür, dass inzwischen Zuckerberg bestimmt, was für sehr viele Menschen zeitgemäß ist). Für Facemash hackte er sich in den Universitätscomputer ein, um sich die Fotos aller Harvard-Studenten zu verschaffen; es war möglich, also war es für Zuckerberg in Ordnung. „Informationen sind dafür da, verbreitet zu werden“, lässt Mezrich ihn denken, und so, wie er zuvor mit vielen Details, Auszügen aus E-Mail-Wechseln und den Erinnerungen von Zuckerbergs damals bestem Freund, Eduardo Saverin, die Planung der Internetseite rekonstruiert, erscheint das naheliegend. Mezrich hat für die Geschichte, die er erzählt, einen guten Ton gefunden: Fesselnd, dabei nicht reißerisch, beschreibt er den Protagonisten und dessen unglaublichen Erfolg auf der Basis seiner Quellen. Ein Genie zu feiern oder einen Anarchisten zu verteufeln ist seine Sache nicht.

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