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Arnold Schwarzenegger : Egal wie, du musst es gut verkaufen

  • -Aktualisiert am

Schauspiellehrer scheiterten daran, ihn zum Weinen zu bringen: Schwarzenegger war die Avantgarde eines beginnenden Muskelkultes Bild: HIPP-FOTO

Buben weinen nicht. In seiner Autobiographie „Total Recall“ geht es Arnold Schwarzenegger vor allem um eines: Er will seine Produktschwäche überwinden.

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          Eigentlich könnte die Autobiographie von Arnold Schwarzenegger auch die „totale Abberufung“ heißen. Denn „recall“ heißt im Englischen nicht nur Erinnerung, sondern bezeichnet auch jenen unfreiwilligen Abgang eines Politikers während seiner Amtszeit. Durch einen solchen kam Schwarzenegger seinerzeit in Kalifornien an die Macht. Und wie eine Abberufung fühlt sich wahrscheinlich gerade sein Leben an. Über beinahe siebenhundert Seiten wird daher versucht, so gut wie jedes Schwarzenegger-Klischee in Erinnerung zu rufen. Das ist manchmal unterhaltsam, meistens selbstherrlich und selten neu. Die totale Erinnerung ist wesentlich weniger total als sie behauptet - zumindest wenn es um die Auswahl der Erinnerungen geht. In der Konsequenz des Behaupteten ist sie natürlich total total.

          Den größten Unterhaltungswert gewinnt man, wenn man das, was da als Arnold Schwarzenegger behauptet wird, einfach als Kunstfigur liest. Und Super-Arnie war eben schon immer stärker, besser, größer und sympathischer als der Rest. Für einen Schwarzenegger ist Gewinnen der Normalzustand, Weichheit ein unbekannter Aggregatzustand und jede Niederlage nur Ansporn, es das nächste Mal besser zu machen. Der Tag als Trainingseinheit. Das Leben als Wettbewerb. Arnold könnte ebenso Hauptfigur in einem Roman von Ayn Rand sein.

          Die totale Geschichte beginnt in der Steiermark, wo der Knabe vom Vater zu Situps und Disziplin gezwungen wird. „Das war aber nicht schlimm. Alle ihre Väter schlugen damals ihre Kinder.“ Im Gegensatz zu seinem intellektuellen Bruder, hat Arnold kein Problem, eine Schaufel zu Hand zu nehmen. Im Alter von dreizehn Jahren trifft er auf Mister Austria, den Bodybuilder Kurt Marnul. „Wir tranken Quellwasser und Rotwein, brieten Fleisch, hatten Frauen, rannten durch den Wald, trainierten und trieben Sport.“

          Über das Bodybuilding landet Arnold Schwarezenegger schnell in Amerika, wo er arm, aber grinsend ankommt. Von diesem Augenblick an hat man das Gefühl, dass er sich nur noch durch sein Leben grinst. Wahrscheinlich weil er es selbst nicht fassen kann, wie weit man es ohne ausgeprägte Talente bringen kann. Er mischt sich ins Bodybuilder-Milieu der siebziger Jahre, wo viel gekifft, wenig gearbeitet, aber viel herumgekumpelt wird. Er lernt, was die Leute meinen, wenn sie „groovy“ sagen, dass Horoskope eine wichtige Rolle beim Frauenanbaggern spielen und dass man immer für seine Fans da sein soll. „Educating Arnold“ nennt er diesen Prozess.

          Immer genug Immobilien an der Hand

          Er hantelt sich von einem Erfolg zum nächsten und ist dabei selbst sein größter Fan. Im Prinzip funktioniert sein Leben einfach, denn Arnold kommt, lernt schnell und macht es dann besser als alle anderen. So ist er Mister Universum, Mister Olympia, Mister World geworden und so will er später auch Mister Hollywood werden. „Ich lernte, dass Schauspieler alle ein bisschen seltsam waren, eben Künstlertypen.“ Arnold legt aber von Beginn an großen Wert darauf, erfolgreicher Geschäftsmann („Immobilientycoon“) zu sein, der nie vom Schauspiel leben musste. Er ist wie Bodybuilder Joe Santo in „Staying Hungry“, seiner ersten großen Rolle: „Joe Santo war stark, aber auch empfindsam. Er stemmt eben mal 100 Kilo, aber in der nächsten Szene nimmt er vielleicht ein Glas in die Hand und sagt: Weißt du, was das ist? Das ist ein Kristallglas von Baccarat (...) Er liebt Musik. Er spielt Geige. Er kann über die Klangeigenschaften einer Gitarre stundenlange Vorträge halten.“

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