https://www.faz.net/-gr3-761rq

Armin Krishnan: Gezielte Tötung : Als Nächstes könnten Regimekritiker ins Visier geraten

Bild: Archiv

Krieg ohne Grenzen? Der Militärforscher Armin Krishnan entwirft ein dunkles Szenario kommender Drohnenkriege.

          3 Min.

          Im aktuellen Bond wird der britische Geheimagent mitsamt seinem Geheimdienst zum Auslaufmodell erklärt. Der legendären Technikabteilung versiegen die Geniestreiche. Der Krieg wird zum Psychoduell von Softwaremanipulatoren stilisiert. Es ist nicht mehr als Heldenromantik, wenn das Duell zuletzt ein Messerwurf entscheidet. Nimmt man das Buch von Armin Krishnan über die neuen Formen des Tötens zur Hand, wird man zu einer ganz anderen Prognose kommen. Der texanische Militärforscher sieht die geheimdienstliche und mafiaähnliche Kriegführung zum Standard militärischer Konflikte werden. Der Krieg wird wahrscheinlich mehr als je zuvor in der Hand von Geheimagenten und ihren intelligenten Mikrowaffen liegen.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Seit den neunziger Jahren spricht man von asymmetrischen Kriegen. Angesichts der enormen Zerstörungspotentiale führen Staaten den Krieg immer seltener gegen ihresgleichen und immer öfter gegen Terrororganisationen und als besonders gefährlich bezeichnete Individuen. Krishnan kommt für das Jahr 2008 auf weltweit sechsunddreißig Kriege, von denen kein einziger ein zwischenstaatlicher Konflikt war. Das Mittel der Wahl ist hier die selektive Tötung. Mit der Ächtung des konventionellen Kriegs sinken die Toleranzschwellen für den minimalinvasiven Einsatz. Der verhaltene internationale Protest gegen die völkerrechtlich ungedeckte Liquidation Bin Ladins ist dafür ein deutliches Zeichen.

          Drohnen im globalen Dauereinsatz

          Die selektive Kriegführung ist im Grunde nicht neu. Geheimdienste, voran der amerikanische CIA und der israelische Mossad, verfolgen sie in kleinerem Maßstab seit langem. Neu ist, dass die selektive Liquidation kein Nebenschauplatz und keine Präventivmaßnahme mehr ist, sondern mit dem Fortschritt der Waffentechnik zum Kriegsalltag wird. Krishnan blickt auf eine nicht mehr ferne Zukunft, in der Nanowaffen, Laserwaffen und Strahlenwaffen mit lautloser Perfektion Todeskommandos ausführen. Mit dem Wandel ins Mikrologische werden auch biologische Waffen, die bisher als Massenvernichtungswaffen galten, zu individuellen Projektilen. Besonders attraktiv macht sie, dass sie ähnlich wie der Cyberkrieg kaum einen Hinweis auf den Täter hinterlassen. Der Krieg sinkt unter die Schwelle öffentlicher Wahrnehmung.

          Hier liegt die Tücke des vermeintlich harmlosen Krieges. Krishnan warnt vor einem Krieg ohne Grenzen und ohne zeitliche Limits, in dem Drohnen im Dauereinsatz um den Globus patrouillieren. Warum sollte es so kommen? Zwei Schwellen sieht Krishnan schon überschritten. Mit George W. Bushs Aufforderung zur Exekution aller Terroristen Al Qaidas, unabhängig von ihrem Aufenthaltsort, und der Ausweitung der amerikanischen Drohnenangriffe auf das nicht im Krieg befindliche pakistanische Gebiet hat der Krieg seine zeitlichen und örtlichen Grenzen verloren. Gleichzeitig hat er seinen rechtlichen und ethischen Rahmen eingebüßt. Krieg kann jetzt immer und überall sein.

          Weitere Themen

          Auf der Suche nach Gott

          Foto-Ausstellung : Auf der Suche nach Gott

          Das Verlangen nach Transzendenz in den Tagen der Einsamkeit: Dreizehn Studenten nähern sich in einer Berliner Foto-Ausstellung dem Glauben in der Pandemie.

          Topmeldungen

          Wie viel Macht hat der Trainer? : Ein großes Problem für den FC Bayern

          Der Konflikt zwischen Hansi Flick und Hasan Salihamidžić ist nur ein Grund für die Trennung in München. Wichtiger ist die Grundsatzfrage zur Macht des Trainers beim FC Bayern. Sie könnte auch in Zukunft zum Problem werden.

          Trauerfeier für Prinz Philip : Eine Familie nimmt Abschied

          Ein schwerer Gang für Königin Elisabeth II.: Gemeinsam mit ihrer Familie hat sie in einer Trauerfeier Abschied von Prinz Philip genommen. Nur 30 Trauergäste waren erlaubt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.