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Arianna Huffingtons Erfolgsbuch : Wenn Meditation die Sterblichkeit senkt

Zuweilen sind ihre Erkenntnisse zur Weisheit etwas dümmlich: Arianna Huffington Bild: AP

In ihrem jüngsten Buch setzt Arianna Huffington ihre Leser unter Dauerbeschuss mit Studien und wohlfeilen Weisheiten. Ihre Suche nach dem rechten Maß und dem inneren Frieden bietet manchen Fehlgriff.

          2 Min.

          Wer Arianna Huffingtons soeben in deutscher Übersetzung veröffentlichtes Buch „Die Neuerfindung des Erfolgs“ nach 320 Seiten aus der Hand legt, muss sich überarbeitet fühlen. Bestürmt von unzähligen Studien, Expertenzitaten, Managererkenntnissen und Weisheiten berühmter Leute, welche die Gründerin des bekannten Online-Journals „Huffington Post“ verknüpft mit persönlichen Anekdoten und allerlei Bekräftigungen, Beschwörungen und Zusammenfassungen des bereits hinlänglich Verdeutlichten. Zwar hat sich die Autorin die Rückbesinnung auf das Wesentliche, das Menschliche, das Zwischenmenschliche, die Stille und den inneren Frieden auf die Fahnen geschrieben. Doch das Trommelfeuer der Beweismittel, die Arianna Huffington zur Bekräftigung ihrer Forderungen abschießt, übertönt die fraglos ehrenvolle Absicht.

          Vielleicht ist es auch dazu gedacht, die Schlichtheit des Buchs zu übertönen. Mager ist nämlich nicht nur der Umschlag des Buchs, der mit seinen drei Kreisen „Weisheit“, „Staunen“ und „Großzügigkeit“ und dem Halbsatz „Was uns wirklich weiter bringt“ in deren Schnittbereich die Struktur und Richtung des Werks vorgibt, dabei aber anmutet wie eine lieblose Powerpoint-Präsentation. Dünn sind auch die Beine, auf denen ihre Argumente daherkommen. Genauer gesagt: Nicht die Beine selbst sind dünn, sie zieht durchaus die großen Quellen heran, sondern wackelig ist die Art, wie sie ihre Botschaft und die Belege miteinander verbindet.

          Alles, was sie schmückt

          Ein Beispiel? Arianna Huffington ist überzeugt, dass „wir alle in uns einen zentrierten Ort“ haben, „wo sich Weisheit, Harmonie und Stärke finden“. Geschenkt. Zwei Zitate führt sie dafür an: Aus dem Lukas-Evangelium leiht sie sich den Vers „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ und von Archimedes den Spruch „Gib mir einen Punkt, auf dem ich stehen kann, und ich werde dir die Welt aus den Angeln heben“. Nun zielt das Jesuswort auf die Gemeinschaft der Gläubigen, der Ausspruch des Archimedes auf das Hebelgesetz, seine physikalische Entdeckung, und beides liegt so bestürzend weit jenseits des Punktes, den Huffington machen wollte, dass es ihr Credo eher vernebelt als erhellt.

          Und so geht es weiter: Neben Geld und Macht will die Autorin eine dritte Kenngröße für Erfolg einführen, nämlich das persönliche Wohlbefinden; und auch wenn sie bevorzugt Manager und andere Mächtige als Beispiele heranzieht, ist es ihr doch um alle Menschen zu tun. Sie will diese Neubewertung allerdings gleichzeitig als „dritte Frauenrevolution“ verstanden wissen - nach dem Kampf der Sufragetten für das Frauenwahlrecht und dem noch andauernden um „mehr Mitsprache in der Gesellschaft und Zugang zu den Zentralen der Macht“. Aber auch wenn sie die antifeministischen Töne ihres Buchs „The Female Woman“ aus dem Jahr 1973 heute nicht mehr anschlägt: Huffington argumentiert keineswegs feministisch oder auch nur erkennbar frauenspezifisch, sondern stellt ihre Position lediglich in eine weitere schmückende historische Reihe.

          Wie verträgt sich ihr Geschäft damit?

          Wir sollten unsere Arbeit auch mal hinter uns lassen, die elektronischen Kommunikationskanäle gezielt abschalten, meditieren, Yoga machen oder spazieren gehen, wir sollten mehr schlafen, predigt Huffington. Durch Meditation, fasst sie eine britische Studie entschlossen zusammen, würde selbst die Sterblichkeit um 23 Prozent zurückgehen. Allerhand!

          Bild: Riemann Verlag

          Die Inhalte der „Huffington Post“ bestehen zu einem Großteil aus nicht vergüteten, lediglich in der fragwürdigen Währung Aufmerksamkeit honorierten Beiträgen. Auch wenn wir nicht von Ausbeutung sprechen wollen, schließlich ist ja niemand zur Mitarbeit verpflichtet: Wie sich diese Form der Arbeit mit den neuen Formeln des Erfolgs verträgt, die Arianna Huffington propagiert, ist fraglich. Begeistert erzählt sie von Yoga-Kursen, Fitnessräumen und sogar „Ruheräumen für Nickerchen“ in ihren amerikanischen Redaktionen. Wer weiß, dass sich in der Startphase der deutschen „Huffington Post“ Mitarbeiter bis zur völligen Erschöpfung verausgabt haben, dem muss dieses Hohelied regelrecht zynisch vorkommen.

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