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Andreas Rinke und Christian Schwägerl: 11 drohende Kriege : Transparenz macht aus Konflikten Kriege

  • -Aktualisiert am

Der Konfliktherd Wasserknappheit schwelt vor allem südlich der Sahara: Ein kongolesisches Mädchen fängt Regenwasser auf Bild: epd

Knappe Ressourcen und die Versuchung, die überlegene Militärtechnologie zum Ausschalten eines Konkurrenten zu nutzen: Andreas Rinke und Christian Schwägerl beschreiben künftige Kriegsszenarien.

          Der böse Blick ist zumeist klarer als der wohlmeindende und gutherzige, der grundsätzlich nach Kompromissen und Lösungen sucht und dort, wo diese partout nicht zu finden sind, Vorschläge macht, wo man weitersuchen könnte. Das zeigt sich einmal mehr an den Konfliktszenarien, die von dem Historiker Andreas Rinke und dem Biologen Christian Schwägerl für das einundzwanzigste Jahrhundert ausgearbeitet worden sind: So scharfsinnig und mitunter brillant ihre Beschreibungen möglicher Konflikte mit sich daraus entwickelnden Kriegen sind, so bieder und manchmal naiv sind ihre Vorschläge, wie diese Konflikte zu verhindern seien.

          Das liegt zum einen daran, dass sich in den entsprechenden Szenarien die Wege in den Krieg sehr viel klarer zeichnen lassen als die Maßnahmen und Übereinkünfte, die erforderlich wären, um solche Konfliktzuspitzungen zu vermeiden. Es liegt aber auch daran, dass die Analyse konfligierender Interessen in Form rationaler Argumentation erfolgt, während bei einer Agenda der präventiven Ausschaltung potentieller Konflikte alle möglichen Entwicklungen und Trends ins Spiel gebracht werden, die den Erfolg des Gewünschten wahrscheinlich machen sollen - ohne darauf zu achten, ob diese Entwicklungen sich vielleicht widersprechen oder gar gegenseitig blockieren.

          Von bloßen Deklarativen

          So setzen Rinke und Schwägerl darauf, dass die Transparenz, die durch die neuere Kommunikationselektronik hergestellt worden ist, die Wahrscheinlichkeit einer Konflikteskalation bis zum Krieg vermindert; und tatsächlich gibt es dafür eine Reihe von Beispielen. Gleichzeitig sind sie aber auch davon überzeugt, dass nur die Umstellung des politischen Planens und Handelns auf Nachhaltigkeit, also die Ablösung kurzfristiger durch langfristige Ergebnisevaluationen, sicherstellen könne, dass das Gesamtinteresse der Menschen eine stärkere Rolle spiele als die Partialinteressen sozialer Gruppen und Nationen. Auch das ist wohl zutreffend, zeigen doch einschlägige Analysen, dass die Gefahr eines kriegerischen Konflikts in dem Maße wächst, wie die relevanten Akteure kurzfristige Gewinne einstreichen wollen und die längerfristigen Folgen dieser „Gewinnmitnahmen“ vernachlässigen.

          Das Problem dabei ist, dass Transparenz die Orientierung an kurzfristigen Effekten verstärkt, weil sich Unternehmensführungen wie Regierungen unter Dauerevaluation permanent als erfolgreich darstellen müssen. Dass der Imperativ der Transparenz die Möglichkeiten nachhaltiger Politik konterkarieren kann, ist Rinke und Schwägerl, solange sie ihre Szenarien entwickeln, sehr wohl bewusst. Aber sobald es um die Beschreibung von Konfliktvermeidungs- und Kriegsverhinderungsstrategien geht, verlieren sie diesen Umstand schlicht aus dem Blick.

          Der spannendere und innovative Teil des Buches findet sich dementsprechend in den elf Kriegsszenarien und nicht in den drei Vorschlägen für eine „robustere Zivilisation“, die das Buch beschließen. In Letzteren geht es um Kooperation, Erneuerung und Langfristigkeit als die drei Kräfte, die verhindern sollen, dass eintritt, was in den vorangegangenen Szenarien beschrieben worden ist. Das alles hat man in den Erklärungen internationaler Institutionen und Nichtregierungsorganisationen schon viele Male gelesen. Nicht dass es dadurch falsch würde, aber es bleibt auch bei Rinke und Schwägerl auf der Ebene des bloß Deklarativen.

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