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: Alte Tugenden

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Rolf Reber macht aus großen Notizsammlungen kleine, versponnene Ratgeberbücher. Möglicherweise muss man sich den Schreibtisch des Professors für Kognitionspsychologie als Ort gewaltiger Zettelstapel vorstellen: Zeitungsausschnitte neben neuen wissenschaftlichen Publikationen, dazwischen Notizblätter, auf denen Alltagsbeobachtungen festgehalten sind.

          Rolf Reber macht aus großen Notizsammlungen kleine, versponnene Ratgeberbücher. Möglicherweise muss man sich den Schreibtisch des Professors für Kognitionspsychologie als Ort gewaltiger Zettelstapel vorstellen: Zeitungsausschnitte neben neuen wissenschaftlichen Publikationen, dazwischen Notizblätter, auf denen Alltagsbeobachtungen festgehalten sind. Nach Rebers "Kleiner Psychologie des Alltäglichen" ist jetzt eine "Kleine Psychologie der Tugend" erschienen. Die Therapieziele des neuen Bands: sich selbst klarer sehen und Prozesse in Gruppen besser einschätzen - also realistischer werden. Rechtfertigt das den großen Begriff Tugend? Für Reber scheint ausschlaggebend, dass das Wort verwandt ist mit "tauglich" und "tüchtig". In seinem Buch geht es deshalb um das "Mit-sich-selbst-im-Reinen-Sein". Eine historische Einführung in den Begriff Tugend sucht man vergebens, doch orientiert sich das Buch grob an den vier Kardinaltugenden (Klugheit, Tapferkeit, Mäßigung, Gerechtigkeit) der Antike und an den drei theologischen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe). Folgt man dem Autor, stecken in ihnen Hinweise für den Weg zu einer Welthaltung, die man vielleicht immer noch als "Glückseligkeit" bezeichnen kann. Reber interpretiert die sieben altbekannten Tugenden kurzerhand neu mit Hilfe der modernen Psychologie. Einige Kapitel bleiben zwar flach, doch gibt das Buch einige Winke, wie hin und wieder dem unheilstiftenden Zwang unbewusster Begierden, Gefühle oder Ängste zu widerstehen sein könnte. (Rolf Reber: "Gut so!" Kleine Psychologie der Tugend. Verlag C. H. Beck, München 2008. 142 S., br., 9,95 [Euro].) huch

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