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: Alles inszeniert

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Jede Lebensäußerung kommt einer (Selbst-)Inszenierung gleich; zumal öffentlich geschieht sie nie ohne Absicht. Insofern meint die "Selbstinszenierung" bestimmter Medienfiguren eine Binsenweisheit. Zu diesen Medienfiguren zählen, sofern sie sich nicht völlig zurückziehen, auch die Schriftsteller.

          Jede Lebensäußerung kommt einer (Selbst-)Inszenierung gleich; zumal öffentlich geschieht sie nie ohne Absicht. Insofern meint die "Selbstinszenierung" bestimmter Medienfiguren eine Binsenweisheit. Zu diesen Medienfiguren zählen, sofern sie sich nicht völlig zurückziehen, auch die Schriftsteller. Gerade bei ihnen hat die Inszenierung in Form von Interviews, Lesungen, Debattenbeiträgen, Podiumsauftritten und Verlagsmarketing Folgen für ihre Arbeit, nämlich die "Erweiterung des Textbegriffs auf kulturell variable und medial bedingte Voraussetzungen sowie eine Erweiterung des Rezeptionshorizonts von Literatur". Mit anderen Worten: Der Text ist nicht mehr nur der Text. Das wirklichkeitsreine Werk gab es nie; aber dass man in die Beurteilung von Literatur Faktoren mit einzubeziehen hat, die gewissermaßen nicht im Text selber stehen, ist eine Tendenz, die an Bedeutung eher noch zunimmt und die Sicht auf Autor und Werk immer stärker prägt. Um "Schriftsteller-Inszenierungen" ging es auf einer Mülheimer Tagung (F.A.Z. vom 25. Oktober 2006), jetzt ist der Band dazu erschienen mit lesenswerten, anregenden Vorträgen, die ein ganz guter Kompass sind im aufgeregten Literaturbetrieb. Eine These: "Nichts ist widerlicher als eine sogenannte Dichterlesung." ("Schriftsteller-Inszenierungen". Herausgegeben von Gunter E. Grimm und Christian Schärf. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2008. 294 S., br., 29,90 [Euro].) edo.

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