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Alain Silver & James Ursini: Film Noir : Als Hollywood noch schwarzmalen konnte

Bild: Taschen Verlag

Es ist keine gelehrte Abhandlung: Die Neuauflage des lange vergriffenen Buchs ist eine Einladung, noch einmal in die Welt der Schatten einzutauchen, deren Atmosphäre sie in großartigen Bildern einfängt.

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          Am Anfang standen - ja, wer eigentlich? Die flackernden Bilder des deutschen Expressionismus im Film, bei Fritz Lang und Fritz Murnau? Oder die Kriminalromane der „Schwarzen Serie“, von W.R. Burnett (“Little Cesar“) und James M. Cain (“Double Indemnity“) bis Cornell Woolrich (“Phantom Lady“), in denen das organisierte Verbrechen auftrat, abgebrühte Privatermittler und Fälle, die nicht mehr durch Nachdenken gelöst werden konnten? War es die amerikanische Depression der dreißiger Jahre? Oder wurde der „Film noir“ erst zur Epoche und zu einer Gattung durch den Blick der französischen Kritiker, die ihn nach 1945 so zu nennen begannen?

          Eigentlich egal, das Genre selbst, in dem zwischen 1930 und 1960 Filme wie „Der Malteser Falke“, „Im Netz der Leidenschaften“, „Tote schlafen fest“ oder „Im Zeichen des Bösen“ gedreht wurden, stellte ja auch nie Ursprungsfragen. Seine Figuren haben zwar stets schon ziemlich viel Vergangenheit, wenn der Film beginnt, sie sind von irgendwo weggelaufen, haben etwas ausgefressen, sind irgendwo gestrandet, um in eine unglückliche Verkettung von Ereignissen einzutreten. Ständig gibt es Rückblenden. Aber weil die Vergangenheit hinter ihnen her ist, kann sie auch nicht geklärt werden.

          Sigmund Freud, oder das, was in Amerika von ihm angekommen war, schreibt an den Drehbüchern mit, doch wenn man von Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“ (1945) mit Ingrid Bergman absieht, ist das Verbrechen, um das es meistens geht, kein Rätselspiel. Nicht einmal wenn die Täter geschnappt werden, scheint das Problem beseitigt, für das sie standen.

          Das Leben ist eine Falle

          Unschuldige Figuren gibt es im Film noir nicht, eigentlich sind alle korrupt. Ihre Charakterfehler passen stets genau zueinander. Typischer Dialog: „Phyllis: ,Wir sind beide verdorben.’ Walter: ,Nur, dass du verdorbener bist. Tschüs, Baby.’ Sie erschießen sich gegenseitig.“ Außerhalb der Liebe herrscht mehr oder weniger Fatalismus, in der Liebe auch. Bei niedriger Kamera und gedämpftem Licht beweisen die Figuren, dass das Leben eine Falle ist. „Das ist doch Schwarzmalerei!“ Ja, genau. Es wirkt fast, als habe die Filmkunst, kurz bevor der Farbfilm üblich wurde, noch einmal zu zeigen versucht, was man am alten Material hatte: Schatten.

          Der Bildband von Alain Silver und James Ursini war lange vergriffen, zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen des Verlages ist er wiederaufgelegt worden. Er ist eine Einladung, sich diese Filme (noch einmal) anzuschauen, mehr als ein gelehrte Abhandlung über das Genre. Die Autoren drängen dem Leser auch keine tiefsinnigen Deutungen auf. Es werden Leitmotive des Genres illustriert, exemplarische Werke nacherzählt, die wichtigsten Regisseure - beispielsweise Nicholas Ray, Robert Siodmak, Billy Wilder - porträtiert, alles natürlich in weißer Schrift auf schwarzem Papier. Die Bildauswahl ist großartig, der Band enthält eine Chronik und eine Bibliographie zum Weiterlesen, am besten sind die vielen Bilder von den „Sets“.

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