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„Klartext zur Integration“ : Zerrieben zwischen zwei Kulturen

Schaufensterpuppen im Fenster eines türkischen Brautmode-Geschäfts in Wiesbaden Bild: Frank Röth

Er interessiert sich für all jene, die es nicht schaffen: Ahmad Mansour kennt die Mechanismen, die Migranten in Parallelgesellschaften festhalten. Und die Gefahr, die davon ausgeht. In seinem Buch spricht er „Klartext zur Integration“.

          Der Psychologe Ahmad Mansour ist ein Mann der klaren Worte, ohne Furcht, unter Verdacht zu geraten, er stehe auf der falschen Seite, halte es mit den Spaltern oder – auf der anderen Seite – mit den Relativierern. Ganz im Gegenteil. In seinem Buch „Klartext zur Integration“ seziert er schonungslos das Projekt Integration, ein planloses Durchwursteln viel zu oft, das mehr Konflikte schafft, statt die sichtbaren und spürbaren Probleme zu lösen. Seit Jahren geht er in Gefängnisse, diskutiert mit Polizisten, Vollzugsbeamten, Häftlingen, mit Radikalen und ratlosen Liberalen, mit Lehrern und Sozialarbeitern über Blockaden und Hindernisse, die ihre Arbeit erschweren und nicht selten sogar verunmöglichen. Unnachgiebig streitet er für die Freiheitswerte dieser Gesellschaft, die seiner Ansicht nach von zu vielen geringgeschätzt, untergraben oder gar nicht erst begriffen werden.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Immer wieder zitiert er Politiker, die ahnungslos, weil realitätsfern davon reden, wie sich das alles, was jetzt durcheinandergeht, von selbst zurechtrücken wird – weil wir ja die Freiheit hätten und unser großartiges Grundgesetz. Er stellt diesen Worthülsen die Lebensgeschichten seiner Klienten, fast ausschließlich Migranten aus muslimischen Ländern oder deren Kinder und Kindeskinder, gegenüber. Oberflächlich betrachtet, könnten viele als durchaus integriert gelten, haben die Schule geschafft oder eine auskömmliche Existenz aufgebaut, zahlen Steuern. Doch bleiben sie unter ihresgleichen, nicht unbedingt unfreiwillig.

          Im Namen der Religionsfreiheit

          Und hier nehmen Mansours Geschichten Fahrt auf, er zieht den Vorhang weg und schildert den Alltag in patriarchalen Familien, deren Modernität allenfalls äußerlich ist. Er beschreibt einen gefährlichen Mangel an „emotionaler Integration“, einen manifesten Dissens mit allem, was uns teuer ist, von der Gleichheit der Geschlechter, von Glaubensfreiheit, einem selbstbestimmten Leben bis zur gewaltfreien Erziehung. Und er beschreibt, wie und warum so viele Einwanderer in ihre parallele Welt gerieten. Das Ergebnis: ein ewiges Zerrissensein zwischen Kulturen, das ein Ankommen verhindert. Auch, weil Helfer und Prediger einer falschen Toleranz die Unterschiede noch zementieren, Opferrollen ausbauen, die ihnen viel Macht verleihen und Migranten in einer Unmündigkeit halten, die es ihnen unmöglich macht, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

          Für viele Kinder, das betont Ahmad Mansour immer wieder, ist das eine Katastrophe, weil sie zerrieben werden zwischen der von ihren Vätern mit harter Hand geführten Familie, den Moscheen und einer liberalen Schule, zwischen Verachtung für alles Deutsche, für die „Ungläubigen“ und die selbstbewussten anderen Frauen und den Regeln der Heimat, die nur noch die des Großvaters sein kann. Kinder, die einer brutalen Gehorsamserziehung ausgesetzt sind, die eigentlich Kindesmisshandlung ist, ohne dass Sozialarbeiter oder Lehrer es wagten zu intervenieren, weil man sie „kultursensibel“ geschult hat. Mansour nennt das einen Rechtsbruch, schließlich steht das Recht auf körperliche Unversehrtheit im Grundgesetz und gilt auch und vor allem für Kinder. Die aber würden durch diese falsche Toleranz preisgegeben, immer wieder; ihre Chancen, sich hier frei zu entfalten, werden dadurch beschnitten.

          Spricht Klartext: Der israelisch-arabische Psychologe und Autor Ahmad Mansour

          Die Vorgesetzten verzweifelter Lehrer oder Jugendamtsmitarbeiter, die sich an Mansour gewandt hatten, sehen das oft anders, ob überlegt oder nur ignorant, ist egal. Doch wenn sie einen Lehrer sanktionieren, weil er einen kleinen Jungen, der fast kollabiert ist – Unterricht im Ramadan – freundlich dazu bringt, doch einen Schluck zu trinken, klingt das wie eine Geschichte aus dem Tollhaus. Sie ist aber leider wahr und kein Einzelfall. Die frommen Eltern hatten sich danach bei der Schulaufsicht beschwert. Fazit: klarer Verstoß gegen die Religionsfreiheit.

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