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Traumprotokolle : Lachend aufgewacht: Gefressen werden tut gar nicht weh

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Befindlichkeiten des Autor-Subjekts sind für Adorno sekundär gegenüber dem objektiven Gehalt des Textes. Dennoch hat er seine Träume zu Papier gebracht. Nicht nur für sich als persönliche Dokumente zur Selbstanalyse, sondern mit der Perspektive, das Notierte zu veröffentlichen, wie vereinzelt 1942 in der New Yorker Emigrantenzeitung „Aufbau“.

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          Befindlichkeiten des Autor-Subjekts sind für Adorno sekundär gegenüber dem objektiven Gehalt des Textes. Dennoch hat er seine Träume zu Papier gebracht. Nicht nur für sich als persönliche Dokumente zur Selbstanalyse, sondern mit der Perspektive, das Notierte zu veröffentlichen, wie vereinzelt 1942 in der New Yorker Emigrantenzeitung „Aufbau“. In der vorliegenden Edition ist nur ein geringer, eben der von Adorno ausgewählte Teil der Träume chronologisch zusammengestellt. Er gab 1968 erste Traum-Texte seinem Verleger Siegfried Unseld zur Veröffentlichung frei.

          In seinem philosophischen Werk finden sich Erinnerungen an Träume, nicht nur in den „Minima Moralia“, auch in der „Negativen Dialektik“. Dort steht, daß ihn, der als amerikanischer Exilant von Auschwitz verschont blieb, „zur Vergeltung Träume heim(suchen), wie der, daß er gar nicht lebte, sondern 1944 vergast worden wäre“. Bedurfte es der Niederschrift der Meditation zur Metaphysik, um sich dieser Schreckensträume zu erwehren? Zwar haben Adornos Träume häufig Hinrichtungs- oder Kreuzigungsszenen, auch Katastrophen zum Gegenstand. Bilder des Genozid enthält nur ein Traum, aber in anderen Träumen stellen sie sich auf indirekte Weise ein, etwa als Erfahrung des Weltuntergangs. Ein Traum mit dem Datum Frankfurt, Dezember 1946: „Ich befand mich in frühester Morgendämmerung, im grauen Halbdunkel, unter einer großen Menschenmenge, auf einer Art Rampe.“ Oder im März 1967, ein Traum der Ohnmachtserfahrung und des Schuldbewußtseins: „Traum von Toten, in dem man das Gefühl hat, daß sie einen um Hilfe bitten.“

          In Adornos Aphorismenband findet sich eine zwischen 1946 und 1947 geschriebene Notiz, die sein von der Psychoanalyse geprägtes Verständnis des Traums zum Ausdruck bringt: „Zwischen ,es träumte mir' und ,ich träumte' liegen die Weltalter. Aber was ist wahrer? So wenig die Geister den Traum senden, so wenig ist es das Ich, das träumt.“ Als Adorno dieses „Monogramm“ über die Frage, wer Herr im Haus des Traums ist, formuliert, hält er auch zwei Träume fest, die charakteristisch sind für die Protokolle. Bei dem einen Traum handelt es sich um einen Hinrichtungstraum. Nicht Adorno, sondern Pierre Laval ist, so scheint es, der Delinquent. Beim Abschied von dem umstrittenen französischen Politiker ist Adornos Mutter Maria anwesend, die „mit klarer, junger Stimme, sehr stark die Kindertotenlieder von Mahler anzustimmen“ beginnt. Adorno liefert mit der Wiedergabe des Traumgeschehens dessen geträumte Deutung: „Plötzlich, noch im Traum, ging mir der Sinn ihrer Totenklage auf: Laval sei ich selber, als einer, der das Französische ans Deutsche verriet. Mit unbeschreiblichem Schrecken, wild schlagendem Puls, wachte ich auf.“

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