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Achim Peters: Das egoistische Gehirn : Wenn das Gehirn zum Kühlschrank lockt

  • -Aktualisiert am

Bild: Verlag

Glukose muss sein, aber manchmal geraten die Steuermechanismen durcheinander: Achim Peters traut seiner Theorie vom „egoistischen Gehirn“ als Ursprung des Übergewichts etwas viel Erklärungskraft zu.

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          Seit letzter Woche gibt es einen Blutzuckerrechner als App für Diabetiker. Damit soll die Blutzuckereinstellung noch weiter perfektioniert werden. Was als fortschrittliche Indienstnahme neuester Technik daherkommt, erweist sich als unsinnig, wenn man es im Lichte der Erkenntnisse betrachtet, die Achim Peters über unser egoistisches Gehirn zusammengetragen hat. Seine Kernbotschaft: Nicht der Blutzucker, sondern der Gehirnzucker bestimmt, wie viel wir essen, ob wir dick und Diabetiker werden.

          Das Gehirn bedient sich im Zweifelsfalle stets als Erstes. So werden unter extremen Hungerbedingungen die inneren Organe um bis zu 40 Prozent leichter. Das Gehirn zehrt indes nicht aus - es verliert allenfalls bis zu zwei Prozent Gewicht. Schon das Ungeborene im Mutterleib braucht die Hälfte aller Energie für sein Gehirn. Ein Erwachsener muss seiner Nervensteuerzentrale pro Tag eine Tasse Zucker zubilligen, von durchschnittlich 200 Gramm Glukose beansprucht das Gehirn allein für sich selbst täglich 130 Gramm.

          Der Beginn übermäßigen Essens

          Glukose ist die einzige Energiewährung, die es akzeptiert - von Ketonkörpern bei Hunger einmal abgesehen. Aber das Gehirn kann diesen Zucker nicht selbst herstellen, ist mithin darauf angewiesen, dass er vom Blut durch die Bluthirnschranke ins Gehirnwasser und zu den Nervenzellen gelangt.

          Um das zu gewährleisten, gibt es den Brain-pull, das Gehirn zieht Glukose aus dem Blut. Der ist bedeutsam, denn bei Unterzuckerung, wenn Glukose im Gehirn knapp wird, drohen Ohnmacht und Koma. Bei all dem ist der Umstand entscheidend, dass das blutzuckersenkende Hormon Insulin nötig ist, um Zucker aus dem Blut in andere Organe zu transportieren.

          Das Gehirn nimmt indes insulinunabhängig Zucker auf. Dies erlaubt ihm, von hohem Blutzucker zu profitieren. Es ist, was das angeht, zudem mit einer Machtfülle ausgestattet, die dem übrigen Körper nicht immer guttut: Denn wenn der Brain-pull nicht richtig arbeitet, im Gehirn nicht genug Glukose ankommt, kann dieses selbstherrlich über eine ausgeklügelte Hormon-Botenstoff-Befehlskaskade den Blutzucker erhöhen. Notfalls wird dann eben der Body-pull aktiviert, der Organismus führt Nahrung zu, oder schließlich der Such-pull, er geht auf Nahrungssuche, heutzutage ist das Einkaufen. In jedem Fall, so Peters, beginne das übermäßige Essen mit einem gestörten Body-pull. Wenn der richtig funktioniere, esse niemand zu viel, egal welches Nahrungsangebot zur Verfügung stehe.

          Ein unerbittlicher Gegner

          Das Konzept hat an den Punkten viel für sich, wo es die Widersprüche herkömmlicher Hypothesen offenlegt. So lässt sich kaum verstehen, warum Übergewichtige ständig immer mehr essen, wo sie doch sogar einen überhöhten Blutzucker aufweisen und überdies ihre Fettdepots übervoll sind - was den Appetit eigentlich im Zaum halten müsste. Das versteht man viel besser, wenn man erkennt, dass an der entscheidenden Stellschraube, nämlich im Gehirn, zu wenig vom Überangebot ankommt.

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