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Vargas Llosa über Aramburu : Im Land der Schweigenden

  • -Aktualisiert am

Ein baskischer Polizist bei einer Demo in San Sebastián Bild: Reuters

Der Roman „Patria“ hat mich innerlich – als Mörder und eines von vielen Opfern – die blutigen Jahre des Schreckens erleben lassen, die Spanien durch den Eta-Terror erlitten hat.

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          Ich habe bestimmt Dutzende von Artikeln und viele Essays über die Eta gelesen; doch nur Fernando Aramburus Roman „Patria“ hat mich innerlich – nicht als außenstehender Zeuge, sondern als Mörder und eines von vielen Opfern – die blutigen Jahre des Schreckens erleben lassen, die Spanien durch den Eta-Terror erlitten hat. Der Roman verführt uns, besticht uns durch seine Wortmagie und seine raffinierten Sprünge in Chronologie und Erzählperspektive, so dass wir bald überzeugt sind, es mit keiner geschriebenen Geschichte mehr zu tun zu haben, sondern mit dem Leben selbst, und uns darin bewegen, wie seine Romanfiguren es tun. Lange habe ich kein so überzeugendes und bewegendes, kein so klug komponiertes Buch mehr gelesen; eine Fiktion, die zugleich ein so beredtes Zeugnis über eine historische Wahrheit ablegt, wie es zu ihrer Zeit „The Secret Agent“, Joseph Conrads Roman über die Londoner Anarchisten des 19. Jahrhunderts, oder „La Condition humaine“, André Malraux’ Roman über die chinesische Revolution, getan haben.

          Die Handlung spielt in einem namenlosen Dorf in der Nähe von San Sebastián, wo zwei befreundete Familien sich aus politischen Gründen – besser gesagt aus Gründen als Politik sich tarnender Gewalt – entzweien und gegenseitige Zuneigung in Hass umschlägt. Anfangs scheint es so, als machten die Einwohner gemeinsame Sache mit den Kämpfern im Untergrund. Darauf deuten sowohl die Parolen, die Transparente, die Demonstrationen vor dem Rathaus hin, welche die Freilassung der Gefangenen fordern, als auch die Revolutionssteuer, die von den Wohlhabenden an Patxi, den Kneipenwirt und heimlichen Verbindungsmann der Eta, gezahlt wird, oder der Schimpf und Abscheu, der den verhassten „Spaniolen“ entgegenschlägt.

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