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Zwei Bilderbücher zeigen Patchwork-Familien : Räuberpapa für Prinzessinnenbälger gesucht

  • -Aktualisiert am

Bild: Bloomsbury

Zwei großartige neue Bände von Ute Krause und Alexandra Maxeiner beweisen, dass nicht nur die traditionelle Kombination Mutter, Vater, Kind eine richtige Bilderbuchfamilie bilden kann, sondern auch das Patchwork-Modell.

          2 Min.

          Viele Kinder haben schwer erziehbare Eltern. Erst heiraten sie und kriegen einen, dann trennen sie sich, dann gibt es meist allerhand Auf und Ab, dann tut einer von beiden sich mit jemandem anderen zusammen - und wenn es ganz schlimm kommt, hat der oder die Neue dann auch noch eigene Kinder, mit denen man plötzlich irgendwie zwangsverwandt ist. Und man selbst wird nicht gefragt, oder wenn, dann höchstens pro forma. Soviel zu der These, die Familie sei die kleinste demokratische Einheit.

          In so einer Situation helfen nur Bücher, die das Problem klipp und klar benennen, anstatt es zu verklären. Bücher, die die Perspektive der Kinder einnehmen, ohne die Erwachsenen gleich zu verteufeln - bei allem Kummer, den sie einem machen, hat man seine Eltern ja doch lieb. Davon gibt es in diesem Herbst gleich zwei. Sie widmen sich dem Thema Patchworkfamilie auf höchst unterschiedliche, aber jeweils sehr witzige, liebevolle und ehrliche Art.

          Vergraulen macht auch nicht glücklich

          „Wann gehen die wieder?“ hat Ute Krause ihre hinreißende Geschichte einer unkonventionellen Bilderbuchstieffamilie genannt. In großartig ausfabulierten Bildern und in herrlich lakonischem Ton erzählt sie von sieben Räuberkindern, die mit kleinen roten Koffern zwischen Papa und Mama pendeln, weil die sich getrennt haben. Als der Räuberpapa sich dann aber mit einer Prinzessin zusammentut, die einer Horde Prinzessinenbälger im Schlepptau hat, ist das Schlamassel komplett. „Ab da hatten wir alles doppelt: doppelte Weihnachten, doppelten Geburtstag, doppelte Zahnbürsten, Betten und doppelte Regeln.“

          Damit der ganze Stress mit den Neuen ein Ende hat und endlich wieder alles so werden kann „wie früher“, beschließt die Räuberkinderbande, die Prinzesschen zu vergraulen und die Prinzessinnenmama gleich mit. Aber als das gelingt, ist dann doch nichts gewonnen. Bis zur fulminanten Schlussszene, in der dann auch die ehemalige Räubermama mit einem Hausdrachen (samt Anhang) ihr Glück gefunden hat, lässt sich Ute Krauses märchenhafte Patchworkgeschichte mühelos auf die Realität übertragen.

          Beschönigt wird hier nichts, aber auch nichts verglichen

          Die Räuberfamilie ist in „Alles Familie!“ erst der Anfang. „Das Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten“ lautet der Untertitel des Buchs von Alexandra Maxeiner, das Anke Kuhl mit quirligen Beispielbildern illustriert hat. Den Autorinnen geht es um die Loopings, die sich beim Nachvollziehen der neuen verwandtschaftlichen Beziehungsmöglichkeiten machen lassen. Unter dem Motto „Gar nicht so leicht, da durchzublicken!“ und als kunterbuntes Flussdiagramm werden die vielfältigen Konstellationen, die Familien bilden können, in sachlichem Ton und mit größter Munterkeit durchgehechelt, von der klassischen Variante über Regenbogen- und Adoptivfamilien bis zum Kinderdorf.

          Bild: Klett Kinderbuch

          Angelegt wie ein Handbuch, werden „Halbmamis“, „Zweitväter“ oder „Dreiviertelpapas“ vorgestellt, und auch für die böse Stiefmutter gibt es originellere Bezeichnungen: „In Schweden nennt man unechte Elternteile, die man neu bekommt, Plastikmama und Plastikpapa.“ Beschönigt wird hier nichts, aber auch nichts verglichen. Es geht nicht in erster Linie nur um die vielen Verwandtschaftsgrade, sondern um all die Eigenheiten, die Familien ausmachen: Manche sind laut, andere stiller. Wir sehen stubenhockende Sofafamilien („Es gibt Familien, die bewegen sich kaum oder gar nicht“) und Hektiker („Andere rennen ständig herum, weil sie irgendwelche Termine haben“). Bei manchen liegt das Zentrum in der Küche, anderen ist das gemeinsame Essen nicht so wichtig. Und während jeder, der dieses Buch liest oder vorliest und die lustigen, gutgelaunten Illustrationen dazu betrachtet, sich noch überlegt, was für einer wunderbar seltsamen, skurrilen Familie er eigentlich selbst angehört, räumt die muntere Fibel auch endlich auf mit dem hässlichen alten Spruch von dem Blut, dass so viel dicker sei als Wasser.

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