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Zwei Bilderbücher : Konfusion mit Küken

Bild: Bloomsbury

Die Hennen sind aus dem Häuschen, und Findelküken müssen ihren Platz im Leben finden: Zwei taufrische Bilderbücher erzählen die alte Geschichte von Huhn und Ei auf neue Weise.

          2 Min.

          Dass es die Hühner zum Brüten meist auf ihren Nestern hält, hat die Natur schlau eingefädelt. Nicht auszudenken, wenn sich diese ihrem Naturell nach flatterhaften Tiere nach dem Eierlegen ganz ihrer Aufregung hingeben könnten! Die beiden Illustratorinnen Sylvia Weve und Franziska Biermann haben es sich dennoch ausgemalt, herausgekommen sind mit „Wie das Huhn beinahe vergaß, dass es ein Ei gelegt hatte“ und „Herzlichen Glückwunsch, kleines Huhn!“ zwei Bilderbücher, die es in sich haben.

          In Biermanns Mühle am rauschenden Bach ist ein Festtag. Mit allerlei Glocken bringen die Tiere Meister Jakob im Frühtau auf die Beine. Das Huhn Kann-nicht-ruhn hat ein Ei gelegt, und das will gefeiert werden. Alle Vögel sind schon da, ein Krokodil aus Afrika kommt den Bach herauf, der Partyservice Fuchs tischt auf, die Affen rasen nicht nur durch den Wald, sondern auch über den Hof, schließlich stiehlt der Mops dem Koch ein Ei. Ein schönes Durcheinander!

          Schwung fürs Singen

          Wer allerdings die wohlsortierten Wimmelbilder genauer betrachtet, und dazu ist ausreichend Zeit, der hat bemerkt, dass bereits der Koch das Ei, das der Mops nach einer wilden Jagd heimlich im abgelegten Wickelhut des Krokodils versenkt, gestohlen hat. Nämlich der Gans. Das Ei aus dem Hut hatte sich die Affenoma zuvor unter den Nagel gerissen und wenig später erleichtert gegen die wiedergefundene Kokosnuss getauscht. So sind es drei Tiere, die auf dem Höhepunkt des Fests schließlich gleichzeitig aus ihren Eiern schlüpfen, und jedes blickt zuerst in die staunenden Augen einer Mutter, die nicht die eigene ist.

          Das alles erzählt Franziska Biermann ohne Worte, dafür mit viel Musik. Dem Buch ist eine CD mit vierundzwanzig meist wohlbekannten Volks- und Kinderliedern beigelegt, mit denen die Geschichte erzählt oder ergänzt wird. Dass sich einige von ihnen nur mit einer gehörigen Portion guten Willens in die Handlung fügen, stört dabei wirklich nur Erwachsene. Und die werden durch die frischen Arrangements der Lieder bestens entschädigt: Nils Kacirek und Susanne Koppe haben sich bei Charleston, Country und Bossa nova bedient, um dem Altbekannten diesen neuen, mitreißenden Schwung zu geben. Eine schöne Mischung aus kindlichen und erwachsenen Stimmen tut das Ihre, und vorzügliche Musiker machen aus der Aufnahme ein Vergnügen, das auch die Ohren der Eltern längere Zeit interessieren wird.

          Schreck fürs Leben

          Bei Sylvia Weve schlüpft das Küken nicht im Gänsenest, sondern im Schneckenhaus. Die aufgeregte Henne hat ihr Ei dem Ferkel anvertraut, um nur schnell dem Hahn Bescheid zu sagen. Das Ferkel tritt es an das Schaf ab, als es zu regnen beginnt, das überlässt es der Schnecke, als es dunkel wird. Die immerhin macht für die Nacht dem Küken in ihrem Haus Platz. Interessant wird die schlichte Geschichte von Fürsorge und Verantwortung, als das Küken schlüpft und die Reise rückwärts antritt: Das Ferkel erinnert sich wohl ans Ei, das Küken aber hat es noch nie gesehen.

          Es nimmt das Kleine auf den Rücken und rennt los, verliert das Küken unterwegs und sucht mit Huhn und Hahn erst einmal schuldbewusst das verschwundene Ei. Selbst als die Henne ihr Küken zwei Seiten später endlich in ihre warmen Flügel schließt, hat das Schwein noch nichts begriffen: „Aber was ist mit dem Ei?“ Und was ist mit dem Küken, das, vom Ferkel gefallen, allein über die Wiese irrt? „Mein ganzes Leben lang suche ich schon nach meiner Mutter“, piepst es leise. Worte, die nachhallen im Herzen zartbesaiteter Vierjähriger.

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