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Yves Grevets Jugendroman „Méto - Das Haus“ : Wenn die Unterdrückten erwachen

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Bild: dtv

Umsturz ist nicht alles: Im ersten Teil seiner „Méto“-Trilogie zeigt Yves Grevet, wie schwer es ist, die Muster der Gewalt zu durchbrechen.

          Auf einer von jeglicher Zivilisation abgeschnittenen Insel leben vierundsechzig Jungen. Sie kennen weder ihre Herkunft noch ihre Zukunft, nur ihr Leben in einer eigentümlichen Mischung aus Kinderheim und Hochsicherheitsgefängnis. Sie werden bewacht von den „Cäsaren“, die sie nach dem Motto „Zuckerbrot und Peitsche“ ebenso maßregeln wie umsorgen.

          Die Jungen müssen nicht leiden: Man spielt, treibt Sport, isst ausreichend - all das stets gemeinsam, was den Zusammenhalt der Gruppe zum späteren Leidwesen der Cäsaren stärkt. Zugleich herrscht dumpfe Angst vor den systematischen Repressalien - gegessen wird nur auf Kommando, zur Einschüchterung spielt man das „Ohrfeigenspiel“, und wer übermütig wird, den sperrt man zur Strafe in den „Kühlraum“, manchmal tagelang. Über allem steht in Yves Grevets Jugendroman natürlich eine höhere Instanz, jener Teufel, der diese Hölle erschuf, dessen Identität sich leider im Verlauf der Handlung auf allzu profane Weise klärt.

          Fragen, die sich jeder stellt

          Wichtiger sind seine Opfer und Handlanger, die alle seltsam emotionslos und getrieben wirken. Doch irgendwann stellt sich heraus, dass einige von ihnen sich schon lange nicht mehr in dieses Schicksal fügen. Als der besonnene Méto, Erzähler der Geschichte, in den Plan zu rebellieren eingeweiht wird, nimmt eine Revolution ihren Lauf, die zwar in sich nicht ganz schlüssig ist, aber doch durch ihre unsentimentale Kompromisslosigkeit fasziniert. So überwältigen die Kinder ihre schwer bewaffneten Aufseher durch einen einfachen Trick. Die kleinen Maschinen, die dort herangezüchtet wurden, schlagen mit ungeahnter List zurück - der Überraschungseffekt tut seinen Teil.

          Das Faszinierende an Grevets Roman ist nicht die Handlung, sondern die Welt, die der Autor bis ins Detail entwirft. Die grundsätzliche Frage „Wie wollen wir leben?“ stellen wir uns ja nicht nur, aber vor allem im Jugendalter: uns selbst, und wir stellen mit ihr die Ordnung infrage, die wir gerade zu erkennen beginnen. Méto lehnt sich gegen ein System auf, das zwar auf sein physisches Wohl bedacht ist, ihn aber zugleich durch gezielte Repressionen unterwirft und gefügig macht.

          Der Wert des Einzelnen

          Das Schlimmste daran ist die Art, wie die Sozialkompetenz der Jungen verkümmert. Das zeigt sich, als die Rebellion schon längst begonnen hat und die Aufständischen vor der Herausforderung stehen, sich zu organisieren, ohne in die strenge Hierarchie der Cäsaren zu verfallen. Die Kleinen prügeln sich skrupellos, weil ihnen der strenge Tagesablauf und nicht zuletzt die ständig Drohung der Bestrafung fehlen. Die Größeren kämpfen mit gegenseitigem Misstrauen und unterschiedlichen Vorstellungen von Humanität - wenn es eine solche denn hier überhaupt gibt. Sollten die Sklaven wie bisher ihre Wäsche waschen oder sich an der weiteren Planung beteiligen dürfen? Welchen Wert hat der Einzelne?

          Wissen ist Macht, das ist die Moral auch dieser Geschichte. Indem er die Hintergründe und die Perfidie seiner Lebenssituation erkennt, erlangt Méto die Fähigkeit, sich endlich dagegen aufzulehnen.

          Man kann „Das Haus“, den ersten Teil einer Trilogie, als jugendgerecht aufbereitete Mischung aus Scorseses FBI-Schauermärchen „Shutter Island“ und Kazuo Ishiguros bedrückender Klon-Novelle „Never let me go“ lesen. Darüberhinaus zeigt „Méto“ die Gefahren totalitären Denkens ohne Zeigefinger, dafür mit pädagogischem Mehrwert: Die beklemmende Darstellung lässt den Leser nachdenklich zurück.

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