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„Wozu hat man eine Freundin?“ : Will denn keiner wissen, was ich möchte?

Rose Lagercrantz: „Wozu hat man eine Freundin?“ Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch. Mit Bildern von Karen Krings. Moritz Verlag, Frankfurt 2018. 104 S., geb., 11,95 Euro. Ab 6 J. Bild: Moritz Verlag

Große Fragen, Gedanken und Gefühle unter klarem kindlichen Blick und in einfachen Sätzen: In ihrem neuen Erstleserbuch erzählt Rose Lagercrantz hinreißend von einer ungleichen Freundschaft.

          Neben dem, was man sich nur wünschen kann, einer liebevollen Mutter, einer ganz sicher magischen Mundharmonika und bald schon einer besten Freundin, hat Cäcilie, was man niemandem wünscht. Ihre gnadenlose große Schwester erklärt es der Klavierlehrerin einmal so: „Sie ist mit einer schiefen Hüfte auf die Welt gekommen. Und wenn sie endlich eine Freundin findet, ist es ausgerechnet eine, die fußballverrückt ist.“ Ob man das nicht operieren könne? Versucht wurde es schon viele Male. „Beim letzten Mal ist etwas schiefgegangen und sie ist fast gestorben.“

          Eigentlich ist es Cäcilie selbst, die in „Wozu hat man eine Freundin?“, dem neuen Buch von Rose Lagercrantz, ihre Geschichte erzählt. Die schwedische Kinderbuchautorin, die sich mit ihrer so liebevollen wie lebensklugen Erstleserreihe um die besten Freundinnen Dunne und Ella Frieda als Kennerin kindlicher Zuneigung in den Fährnissen des Lebens zeigt, hat einen feinen Ton für ihre Heldin gefunden, der Cäcilies große Fragen, Gedanken und Gefühle unter dem klaren kindlichen Blick und den einfachen Sätzen, in denen sie erzählt, immer spürbar macht. Und doch ist es die Schwester Rikka, die Cäcilies Situation auf den Punkt bringt. Es ist ihre neue Freundin Melody, die mit ihrer mitreißenden Leidenschaft Cäcilies Leben eine neue Richtung gibt. Und es ist ihre Mutter, die mit einer großen Nachricht ihre schlimmsten Ängste wieder weckt.

          Cäcilie soll überraschend doch noch einmal operiert werden. Ob denn keiner wissen wolle, was sie selbst möchte, stammelt das Mädchen nach dem ersten Schreck. „So was dürfen Kinder nicht bestimmen“, ist die Antwort der Mutter, schlicht und wahr. Und schrecklich im Ungesagten: Für die Not ihrer Tochter, die aus dieser Frage spricht, hat die Mutter in diesem Augenblick einfach kein Ohr.

          Erst einmal wieder laufen lernen

          Am Abend vor der Operation schreibt Cäcilie drei Abschiedsbriefe, an ihren Vater, der die Familie verlassen hat, an Melody und an ihre Großmutter. Für den Fall, dass sie nicht überlebt. Als ihre Mutter mit ihr reden will, hält sie sich die Ohren zu, bis sie endlich wieder allein im Zimmer ist. Am Tag danach kommt gleich nach der Familie Mello sie im Krankenhaus besuchen und schenkt ihr unter den Augen der besorgten Mutter einen Fußball – unterschrieben von allen in der Klasse. Die fußballverrückte Freundin hat die anderen zu diesem Geschenk überredet, weil Cäcilie ja jetzt Fußball spielen kann. Und Mello wird ihre Trainerin. So viel steht schon mal fest. Jedenfalls für Mello.

          Aus all den Kinderfreundschaftsgeschichten, in denen zwei durch dick und dünn gehen und einander dabei helfen, ihre eigenen Träume, Wünsche, Aufgaben zu erfüllen, ragt diese Geschichte interessant heraus. Hier ist es die Begeisterung einer mitreißenden Freundin, der sich die Erzählerin einfach anschließt. Weil Widerstand schlicht zwecklos ist: Cäcilies Ansatz zu einem Einwand wischt Melody kurzerhand hinweg: Dass die Freundin gar nicht Fußball spielen könne, ist doch völlig unwichtig, denn im Grunde könne überhaupt niemand Fußball spielen. „Man glaubt nur, dass man es kann.“ Erst der Blick auf den Rollstuhl in der Ecke des Krankenhauszimmers kann Mello bremsen: Bevor sie kicken kann, muss ihre Freundin erst einmal laufen lernen.

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