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Kaiser-Mühleckers Kinderbuch : Wer passt eigentlich auf das Kind auf?

Was sollte den Vater auf dem Weg zu seinem Sohn aufhalten können? Illustration von Marie Bonnin aus Reinhard Kaiser- Mühleckers „Wann kommst du, Papschku?“ Bild: Marie Bonnin / Karl Rauch Verlag

In seinem Kinderbuch „Wann kommst du, Papschku?“ erzählt Reinhard Kaiser-Mühlecker von Vater und Sohn, durch Corona getrennt. Interessant ist die Leerstelle, die der Autor lässt.

          1 Min.

          Unter den Büchern, die Corona angestoßen hat und immer noch anstößt, sind sehr viele der Introspektion: Was macht diese Krankheit mit mir, was der Lockdown, womit beschäftige ich mich in meiner erzwungenen Isolation? Das Kinderbuch „Wann kommst du, Papschku?“ von Reinhard Kaiser-Mühlecker, sein erstes Werk für junge Leser, nimmt eine andere Perspektive ein: Es betrachtet ausführlich die Trennung zweier Menschen aufgrund der Epidemie, es schildert, wie der eine an den anderen und der andere an den einen denkt, die Irritationen und Zweifel, den Schmerz, die widerstreitenden Empfindungen von Trennung und Pflichtgefühl den Regeln gegenüber und vor allem die Not, all dies unter einen Hut zu bringen.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Anton heißt der Vater in diesem Buch, Fred der Sohn. Der Vater muss kurz vor dem Lockdown zu seinen Eltern reisen und deren Hof versorgen, damit diese endlich mal in den Urlaub fahren können. Dem Sohn verspricht er, dass die Trennung nicht lange anhalten werde, der Urlaub der Eltern ist ja begrenzt, aber dann wird der Flugverkehr ausgesetzt, die Eltern bleiben am Urlaubsort, Anton versorgt weiter den Hof, und Freds Fragen werden immer mutloser gestellt, das Kind ist wie abwesend, und für Anton wird das Dasein auf dem Bauernhof unerträglich.

          Reinhard Kaiser-Mühlecker: „Wann kommst du, Papschku?“. Illustriert von Marie Bonnin. Karl Rauch Verlag, Hamburg 2022. 56 S., geb., 20,– €. Ab 6 J.
          Reinhard Kaiser-Mühlecker: „Wann kommst du, Papschku?“. Illustriert von Marie Bonnin. Karl Rauch Verlag, Hamburg 2022. 56 S., geb., 20,– €. Ab 6 J. : Bild: Karl Rauch Verlag

          Einmal versucht er, sich heimlich mit dem Motorrad in den Norden durchzuschlagen, wird aber an der Grenze aufgehalten. Schließlich hat der Lockdown ein Ende, Anton steigt wieder auf das Motorrad, nimmt die Fähre und trifft seinen Sohn im Wald, in der Hütte, die sie damals zusammen gebaut haben. Der Sohn ist groß geworden. Es ist nicht mehr so wie vorher. Trotzdem wird man sich um die beiden keine Sorgen machen.

          Was Kaiser-Mühlecker erzählt, hat viele Leerstellen, die auffälligste besteht in der völligen Abwesenheit der Mutter. Wer kümmert sich um Fred, während Anton bei seinen Eltern ist? Gibt es Kontakt zwischen Anton und Freds Mutter, oder spielt sie in dieser Geschichte dezidiert keine Rolle, weil es nur um Vater und Sohn geht? Die Bilder von Marie Bonnin, die den Text großzügig illustrieren, geben darauf keine Antwort, auch wenn sie die Geschichte in mancher Hinsicht weitererzählen. Und dabei der Sehnsucht, die jede Seite dieses schmalen Bandes prägt, in aller Dringlichkeit Ausdruck verleihen.

          Reinhard Kaiser-Mühlecker: „Wann kommst du, Papschku?“. Illustriert von Marie Bonnin. Karl Rauch Verlag, Hamburg 2022. 56 S., geb., 20,– €. Ab 6 J.

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