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Peter Härtlings „Djadi“ : Ein Sommer auf Juist

Peter Härtling: „Djadi, Flüchtlingsjunge“. Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2016. 116 S., geb., 12,95 €. Ab 10 J. Bild: Beltz & Gelberg

Er stammt aus der zerstörten syrischen Stadt Homs und kam als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland: Peter Härtlings Kinderroman „Djadi, Flüchtlingsjunge“.

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          Das Willkommen könnte netter sein: „Was soll das?“, sagt ein Wohngemeinschaftsmitglied, „was hast du mit ihm vor?“, ein anderes. Und erst die ruhige Dorothea bringt Ordnung in die Sache: „Wie heißt du?“, fragt sie. Natürlich nicht Jan, dem die ersten beiden Fragen galten, sondern den Jungen - zu klein für sein Alter, dürr und „mit einem angestrengten Gesicht“ -, den Jan unangekündigt mit in die Frankfurter WG gebracht hat.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Er heißt Djadi, stellt sich heraus, er stammt aus der zerstörten syrischen Stadt Homs und kam als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland. Jan hat ihn in der Flüchtlingshilfe kennengelernt, und was als Experiment beginnt, funktioniert tatsächlich: Djadi zieht in die seit Jahrzehnten bestehende Wohngemeinschaft ein, er geht zur Schule, lernt Deutsch und freundet sich vor allem mit dem pensionierten Lehrer Wladimir an, dem ältesten Mitbewohner.

          Seine Dämonen immer im Gepäck

          Was entsteht, ist ein Miteinander, wie Härtling es seit „Oma“ (1975) schon oft geschildert hat, das aber in jedem seiner Bücher durch die gewandelten Zeitläufte und die unterschiedlichen Charaktere der Beteiligten ganz neu erscheint: Vorsichtig zugewandt, so könnte man das Verhältnis beschreiben, mit Respekt vor dem Horizont des anderen und klar in der eigenen Position. Was beide Seiten verbindet, ist immer wieder die Sprache, die man entweder teilt - hier sind es Nonsenslaute, die alle anderen in den Wahnsinn treiben - oder deren Differenzen gerade dazu dienen, die Neugier auf den anderen zu wecken. Wenn der Enkel nur fragt, was seine Großmutter mit dem Wort „Tinnef“ meint, ist viel gewonnen.

          „Djadi, Flüchtlingsjunge“ aber stellt die Protagonisten gekonnt in einen größeren Kreis, der auch Lehrer, Mitschüler und die Nachbarn im Haus umfasst. Der schmale Roman wendet sich der Gegenwart zu, ohne seine Poesie zu verlieren, und wenn er Sommerferien auf der Insel Juist beschreibt, mit allen Ängsten, die selbst die flache Nordsee in einem Jungen auslösen muss, der unter prekären Umständen über das Mittelmeer gekommen ist, dann bekommt die reale Insel bisweilen einen unwirklichen Schimmer.

          Djadi ist angekommen, seine Dämonen immer im Gepäck, ein anderer geht am Ende, und so meisterlich, wie Peter Härtling beides schildert, ist schon sehr lange kein Kinderbuch zum Thema mehr geraten.

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