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„Die Gärten von Dorr“ von Paul Biegel : Triffst du nur das Zauberwort

Bild: Urachhaus

Romantik und ein bisschen Jux: Paul Biegels großer Märchenroman „Die Gärten von Dorr“ erscheint endlich wieder auf Deutsch.

          Ein fieser Zwerg, der schwarze Küsse verteilt, unaustilgbar eingebrannt in die Haut, ein Spielmann auf Wanderschaft, eine böse Hexe, die eine ganze Stadt über Nacht vertrocknen lässt, und ein Mädchen namens Verlier-mich-nicht, das sieben Jahre lang nach seinem zur Blume verzauberten Liebsten sucht - keine Frage, mit solchem Personal lässt sich ordentlich Märchenstaat machen.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Der Niederländer Paul Biegel (1925 bis 2006) schöpft in seinem ursprünglich 1969 veröffentlichten Werk „Die Gärten von Dorr“ tief aus dem Reservoir der europäischen Volks- und Kunstmärchen, aber auch aus dem Reservoir anderer Romantik: Die vielen geschickt in die Handlung eingeflochtenen Lieder des Spielmanns Jarrik etwa erinnern an den Text des Eichendorffschen „Taugenichts“, und die dunklen Träume, die hier geträumt werden, stehen in schauerliterarischer Tradition.

          Dies findet auch Ausdruck in den aquarellierten Illustrationen von Charlotte Dematons, die oft wie Ausrisse aus einer pechschwarzen Nacht wirken, in der die Menschen nur sehr klein und randständig sind. Das über eine Doppelseite sich erstreckende Bild aus dem Lande Immerangst, worauf ein kleiner Junge in seinem Bettchen durch ein tiefes Blauschwarz fährt, in dem Kobolde lauern, weckt zudem Assoziationen zu Johann Heinrich Füsslis „Nachtmahr“, auch wenn es nicht gar so grauslich ist. Zum Ausgleich bietet die Erzählung wie die Bebilderung aber auch reichlich Blumenwiesen: die, auf der sich die Königstochter und der Gärtnersohn überhaupt erst ihre Kosenamen Verlier-mich-nicht und Komm-zurück geben, womit sie die Schicksalsgeschichte in Gang setzen, und die Wiese, nach der sich der Leser gemeinsam mit ihnen durch zahlreiche Abenteuer und Schachtelerzählungen immer wieder hinsehnt.

          Der sichere und bezaubernde Ton

          Ein guter Schuss Räuberpistole und Juxgeschichte aus jüngerer Zeit hilft dabei über manchen Glücksaufschub hinweg: So macht des Spielmanns Laute „Plingeling Pling“, während er von Mücken und Kakerlaken singt, und beachtlich ist auch das Metier der Brüder Wagehals, die in einer Episode auftauchen: Sie sind „Ratten-, Rauch- und Gespensteraustreiber“.

          Dass dieses Märchen sich so gut auf Deutsch liest, ist dem sicheren und bezaubernden Ton des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich zu verdanken, besonders schön die Lieder: „Wie sie heißt, vergess’ ich nie / Kann es nicht verlieren / Hab’s versteckt in meinem Lied / Wer’s wissen will, mag’s hören.“ Sein Nachklang ist groß - zum Beispiel bei der Vorstellung, was es heißt, sieben Jahre auf etwas zu warten oder ein Samenkorn in den Gärten von Dorr zu säen.

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