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Oliver Jeffers’ „Was wir bauen“ : Auf Seite 28/29 sollst du ruhen

Und über uns die Erde: Dass zum ewigen Zukunftsbau auch das Ausruhen gehört, kann gar nicht genug betont werden. Bild: Oliver Jeffers / NordSüd Verlag

Aber danach geht es noch einmal richtig los: Oliver Jeffers malt sich die gemeinsame Zukunft mit seiner Tochter aus. Das Resultat ist das Bastelbuch für eine heile Welt: „Was wir bauen“.

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          Da liegen sie, die beiden Schöpfer ihrer Welt, und daran, dass sie sich die Pause verdient haben, besteht kein Zweifel. Zwar wissen wir nicht, ob schon ihr siebter Schöpfungstag angebrochen ist, aber Vater und Tochter haben gemeinsam auf den zwei Dutzend vorangegangenen Seiten schon ein Haus gebaut, eine Uhr, eine Festungsmauer, einen Turm, einen Tunnel und eine Straße – Letztere hinauf zum Mond, auf dessen Oberfläche sie jene beiden mirakulös beblätterten Bäume gefunden haben, zwischen denen sie ihre Hängematte aufspannen konnten. Vielleicht ist die fröhliche Belaubung in Rosa das Ergebnis einer anderen Form der Fotosynthese, die mangels Atmosphäre eben nicht mehr zum Grün führt. Wir wissen auch das nicht, und recht eigentlich tut es auch gar nichts zur Sache, denn der Gedanke einer lunaren Siesta mit der Erde am Himmel ist zu schön, um wahr sein zu müssen.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das Bild stammt wie alle Illustrationen in diesem Bilderbuch von Oliver Jeffers, in Australien geboren, in Nordirland aufgewachsen und seit geraumer Zeit in den Vereinigten Staaten ansässig, also von einem Mann, der die Welt gesehen hat, wenn auch noch nicht vom Mond aus. Seit 2004, als „How to Catch a Star“ erschien, ist er als Illustrator überwiegend selbstverfasster Bilderbücher aktiv, und mit „Lost and Found“, der zauberhaften Geschichte über die Freundschaft eines Jungen und eines Pinguins, erlebte er schon im Jahr danach seinen internationalen Durchbruch; in Deutschland erschien es als „Pinguin gefunden“, und seitdem ist er auch hierzulande regelmäßig vertreten und beliebt.

          Vor drei Jahren kam „Hier sind wir“ heraus, eine „Anleitung zum Leben auf der Erde“, und ihm konnte man anmerken, dass der Mann, der die Welt gesehen hatte, etwas Neues erlebt hatte: die Geburt seiner Tochter Mari. Mit ihr kam ein anderer Jeffers zum Vorschein, ein pädagogischer und pathetischer, der nicht weniger im Sinn hat als die Zukunft. Die seiner Tochter, weshalb es auch ein rührseliger Jeffers ist, den wir da kennenlernen konnten und nun auf seinem Weg der Vaterschaft begleiten können. Denn das gerade erschienene Bilderbuch „Was wir bauen“ setzt „Hier sind wir“ insofern fort, als es auch Anleitung zu einem Leben ist, allerdings Bauanleitung, und das avisierte Leben geht, wie zu sehen, diesmal noch über die Erde hinaus.

          „Pläne für unsere Zukunft“ lautet diesmal der Untertitel, und die bestehen mit der Ausnahme der von uns ausgewählten Doppelseite in einer vita activa. Vater und Tochter zeigen gleich zu Beginn ihre Hände vor: ein kleines Paar links, ein großes rechts, und beim Umblättern stoßen wir auf eine ganze Werkzeugbatterie, die von diesen Händen dann zum Hausbau eingesetzt wird. Mitten in einer weiten Landschaft gelegen, wird es zum Mittelpunkt einer eigenen Welt, die durch eine Mauer nach außen abgeschirmt wird, wo „das Böse“ lauert, personifiziert durch einen Barbaren, eine Hexe, einen Pirat sowie einen mundschutz- und spritzenbewehrten Arzt – ein kindgerechtes Quartett des Schreckens, das sich aber, als das Festungstor ihm dann doch geöffnet wird, als überaus zivilisiert erweist. Jeffers geht es ersichtlich auch um den Abbau von Vorurteilen.

          Oliver Jeffers: „Was wir bauen“. Pläne für unsere Zukunft. Aus dem Englischen von Anne Schaub. NordSüd Verlag, Zürich 2021. 44 S., geb., 16,– €. Ab 6 J.
          Oliver Jeffers: „Was wir bauen“. Pläne für unsere Zukunft. Aus dem Englischen von Anne Schaub. NordSüd Verlag, Zürich 2021. 44 S., geb., 16,– €. Ab 6 J. : Bild: NordSüd Verlag

          Vor allem um den Aufbruch ins Leben, und Grenzen gibt es dabei keine. Vater und Tochter erreichten einen himmelstürmenden Turm, und man muss keine Angst haben, dass es da einen misstrauischen Gott gäbe, der das als Hybris werten und bestrafen würde. Vielmehr ist das Buch geprägt von einem Grundvertrauen ins Gute als Resultat ständig strebenden Bemühens, und so ist denn auch die Ruhe nach der Schöpfungsmühe nur Ruhe vor dem Sturm, weil Vater und Tochter nach der Erholung ein Schiff bauen – die „Queen Mari 2“ – und sich ins tobende Element des Meeres begeben, um schließlich dort anzugelangen, womit sie begonnen hatten: im eigenen Heim. Dort finden sich alsbald auch alle Wesen ein, denen die beiden auf ihrer Abenteuertour begegnet sind, und versammeln sich ums wärmende Feuer im Garten: „Das Feuer hält uns warm und geborgen, ,Schlaf gut, mein Kind, hab keine Sorgen.‘“

          Die Botschaft des Buchs ist ebenso schlicht, wie es seine Reime sind, mit denen die Übersetzerin Anna Schaub keine große Mühe gehabt haben wird. Ein Dr. Seuss mit dessen strengem Rhythmusgefühl ist Oliver Jeffers nicht, aber von diesem prominentesten aller amerikanischen Bilderbuchautoren hat er das Prinzip der kindgerechten Zukunftsbeschwörung übernommen: „Oh, the Places You’ll Go!“ hieß 1990 das letzte Werk von Dr. Seuss. Jeffers’ „Was wir bauen“ ist die zeitgemäße Version unserer Tage: partizipativ, integrativ, allerdings auch ein wenig naiv.

          Oliver Jeffers: „Was wir bauen“. Pläne für unsere Zukunft. Aus dem Englischen von Anne Schaub. NordSüd Verlag, Zürich 2021. 44 S., geb., 16,– €. Ab 6 J.

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