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Nikolaus Nützel: „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“. : Der Großvater aller Dinge

  • -Aktualisiert am

Bild: ArsEdition

Zwischen Helden und treulosen Tomaten: In „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“ macht Nikolaus Nützel leichthändig deutlich, warum wir uns mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigen müssen.

          3 Min.

          „Hä?“, fragt Nikolaus Nützel, der Autor des Buches „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“. Da erschießt ein serbischer Gymnasiast einen österreichischen Adligen, wenige Wochen später marschiert Deutschland in Belgien ein und nach vier Jahren sind weltweit 17 Millionen Menschen tot und zwanzig Millionen verwundet.

          Lange Zeit habe er nicht verstanden, wie das „Attentat von Sarajevo“ vom 28. Juni 1914 einen Krieg solchen Ausmaßes auslösen konnte, gibt Nützel zu und macht sich daran, diesen und viele andere komplexe Zusammenhänge für Jugendliche ab zwölf Jahren verständlich zu erklären.

          Hier und heute

          Dass ihm dies so ausnehmend gut gelingt, hat drei Gründe: Zum einen bedient sich Nützel der bewährten Methode, aus den unvorstellbar großen Menschenmassen vorstellbare Individuen herauszugreifen und die große Weltgeschichte so im Kleinen lebendig werden zu lassen. Zum anderen ist seine Perspektive auf den Krieg und vor allem auf die darüber hinausgehenden Zusammenhänge explizit subjektiv; er schreibt nicht nur in der Ich-Form, er schreibt auch über sich.

          Immer wieder stellt er Bezüge her zu dem, was der Große Krieg mit seinem Leben in der Gegenwart zu tun hat. Diese Verbindungen zur Gegenwart sind es schließlich drittens und hauptsächlich, mit denen Nützel seinen Lesern und Leserinnen hundert Jahre nach dessen Ausbruch den Ersten Weltkrieg wirklich nahezubringen vermag.

          Einige der internationalen Verstrickungen

          Über seinen Opa stellt Nützel den ausführlichsten konkreten und persönlichen Bezug zum Krieg her. Schon bald nach Kriegsausbruch war dem jungen Soldaten ein Bein von einem Granatsplitter zerfetzt worden, und er trug fortan eine Prothese aus Holz. Nützel denkt sich in die Welt vor, während und nach dem Krieg hinein, um zu verstehen und zu erklären, mit welchen Gefühlen und Gedanken sein Großvater wohl in den Ersten Weltkrieg gezogen war und was ihn und seine Frau später zu überzeugten Anhängern Hitlers machte.

          Aber nicht nur seinen Großvater August Müller lässt Nützel mit einem Namen und einer konkreten Biographie aus den Millionen hervortreten, die den Ersten Weltkrieg erlebten. Er erwähnt auch den 26-jährigen Algerier Kalfa Zerbib, der im ostfranzösischen Verdun begraben liegt, den 19-jährigen Briten Thomas Highgate, der 1914 wegen Fahnenflucht erschossen wurde, und den 22-jährigen Italiener Luciano Zamboni, der 1945 im KZ Flossenbürg starb. Der Verlauf ihrer Leben sowie die Todesumstände dieser Männer geben Auskunft über bedeutsame Daten des Krieges und seiner Folgen sowie über einige der internationalen Verstrickungen, die den Krieg zu einem Weltkrieg machten, in den Menschen aus allen Kontinenten involviert waren.

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