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Matthew Forsythes Bilderbuch : Wer Bandkollegen frisst, ist ganz schnell raus

Dass es ein Fehler war, der Tochter Pokko eine Trommel zu schenken, fällt den Eltern zu spät auf. Wie viel sie aber noch ertragen werden, ahnen sie nicht. Bild: Matthew Forsythe / Rotopol

Dieses Froschmädchen trommelt wie niemand sonst: In seinem Bilderbuch „Pokko und die Trommel“ erzählt Matthew Forsythe auf lakonische Weise, wie eine Familie über sich hinauswächst.

          2 Min.

          Kindern Schlaginstrumente zu schenken ist in der Weltliteratur noch nie gutgegangen. So ist es ganz folgerichtig, dass der Buch- und Animationskünstler Matthew Forsythe sein erstes Bilderbuch für Kinder mit einem Eingeständnis beginnt: „Ihr eine Trommel zu schenken war der größte Fehler, den Pokkos Eltern jemals gemacht haben.“ Es gibt eine naheliegende und eine abwegige Möglichkeit, an diesen Satz anzuknüpfen. Dass Forsythe im Folgenden nicht etwa ausbreitet, wie die Eltern unter der trommelnden Tochter leiden, sondern auf drei Doppelseiten kapitale Fehler der Eltern vorstellt, die das neue Geschenk in den Schatten stellt, wird zumindest die erwachsenen Leser sofort für den lakonischen Verfasser und die unerschrockene Heldin der Geschichte einnehmen.

          Und dann ist Pokko auch noch ein Frosch, und dann ist sie auch noch ein abenteuerlustiges Mädchen, das sich nach den missratenen Vorgängergeschenken der Eltern mit einer Schleuder durch die Gegend katapultiert, mit einem Lama den Rest der Familie plattgemacht hat und mit einem riesigen Ballon einfach davongeflogen ist. Und dann zeichnet Matthew Forsythe sie - wie ihre Eltern - auch noch mit einem riesigen Froschmaul, das diagonal an der höchsten Stelle des Kopfes anfängt und in der Kleidung verschwindet, mit einem Minimalismus im Ausdruck, der die kindlichen Betrachter ihres Abenteuers im Nu für die feinsten Nuancen sensibilisiert, für kleinste Formabweichungen in den Augen, einen leicht gebogenen oder leicht geöffneten Mund.

          Ist sie entschlossen oder entnervt, ist sie ängstlich oder erfreut, stoisch oder gestresst? Dass die in Erdtönen gehaltenen, wie mit Buntstift oder Wachskreiden gemalten und an manchen Stellen aquarellierten Bilder ähnlich viel erzählen, wie sie verschweigen, führt zu mindestens einer überraschenden Wendung im Buch. Und zu seiner lustigsten Stelle. Zunächst einmal geht es Pokko allerdings, wie es nicht nur Froschkindern geht, wenn sie zu laut sind im Haus: Sie muss mit ihrer Trommel an die frische Luft. Nicht ohne die väterliche Mahnung, auch draußen nicht zu viel Krach zu machen: „Wir sind nur eine kleine Froschfamilie, die in einem Pilz wohnt. Wir wollen keine Aufmerksamkeit erregen.“

          Matthew Forsythe: „Pokko und die Trommel“. Aus dem Englischen von Rita Fürstenau. Rotopol Verlag, Kassel 2020. 64 S., geb., 18,– €. Ab 4 J.
          Matthew Forsythe: „Pokko und die Trommel“. Aus dem Englischen von Rita Fürstenau. Rotopol Verlag, Kassel 2020. 64 S., geb., 18,– €. Ab 4 J. : Bild: Rotopol

          Als Pokko im Wald auf ihre Trommel zu klopfen beginnt, nur um etwas Gesellschaft zu haben, erregt sie die Aufmerksamkeit eines Waschbären - der ihr prompt mit seinem Banjo folgt. Ein Hase mit Trompete kommt dazu, dann ein Wolf, der sich einfach nur freut, in der Nähe der Musik zu sein. Auf einmal fehlt der Hase, Pokko lässt die Trommel ruhen und sagt zum Wolf einen Satz, der im Bilderbuch seinesgleichen sucht: „Keine Bandmitglieder mehr aufessen, oder du bist raus aus der Band.“ Eine Schildkröte mit Tröte, eine Maus mit Glockenspiel, ein Vogel mit Laute und viele andere Tiere schließen sich den Musikern an, noch viel mehr tanzen einfach mit, und als es bei der Froschfamilie Zeit zum Abendessen ist, rauscht unvermittelt der Party-Umzug durch den Pilz und trägt den Vater mit seiner Suppenkelle und die Mutter mit ihrem Buch mit sich davon.

          „Pokko und die Trommel“ ist ein Buch der schönsten Selbstverständlichkeiten: Natürlich wird Pokko zur von der Menge gefeierten Bandleaderin, indem sie einfach nur vor sich hin trommelt, natürlich entschuldigt sich der Wolf verlegen bei ihr, als sie ihn zur Rede stellt, natürlich ist es der Vater, der abends am Kochtopf steht, während die Mutter ein bisschen liest, und natürlich tun sich die beiden Eltern zu guter Letzt mit der Anerkennung für ihre Tochter nicht schwer, obwohl sie deren mahnenden Worte missachtet hat.

          Die Bremer Stadtmusikanten haben es einst mit Räubern aufnehmen müssen, um ihren Platz in der Welt zu finden. Matthew Forsythes Waldmusikanten geht es zu allererst um Spiel und Tanz. So ändern sie ihre Welt, statt eine neue zu erobern.

          Matthew Forsythe: „Pokko und die Trommel“. Aus dem Englischen von Rita Fürstenau. Rotopol Verlag, Kassel 2020. 64 S., geb., 18,– €. Ab 4 J.

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