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Martin Schäubles „Sein Reich“ : Willkommen in der Idiotensekte!

Eine reale Bedrohung: sichergestellte Waffen von „Reichsbürgern“ im November 2016 im Polizeipräsidium in Wuppertal Bild: Picture-Alliance

Er wollte eigentlich nur seinen Vater wiedersehen. Der ihn aber zuerst nicht. In Martin Schäubles Jugendroman „Sein Reich“ gerät ein Junge unter Extremisten.

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          Juris Sommerferien sind nicht gerade vielversprechend: Während seine Klassenkameraden in den Süden fliegen oder auf Kreuzfahrt gehen, stehen ihm sechs Wochen zu Hause bevor. In einer Wohnung mit seiner Mutter, die ihn nervt, und Hauke, ihrem neuen Freund, der noch viel schlimmer ist. Hauke ist jeden Abend sturzbetrunken. Als er eines Tages seine leeren Bierflaschen in Juris Schulranzen legt, ist das Maß voll: Mit einem solchen Mann kann er auf keinen Fall seine Ferien verbringen. Juri beschließt, zu seinem Vater zu fahren, obwohl die beiden sich noch nie gesehen haben. Der nimmt ihn aber trotzdem bei sich auf. Und plötzlich passiert viel. Zu viel. Denn Juris Vater gehört zu den Reichsbürgern.

          Anna Vollmer
          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Martin Schäuble, der Politikwissenschaft studiert und mehrere Bücher zum Israel-Konflikt veröffentlicht hat, behandelt auch in seinen Jugendromanen immer wieder politische Themen. In „Endland“ versuchte er zu ergründen, wie Deutschland aussähe, würde es von einer rechtsnationalen Partei regiert. Die „Nationale Alternative“, wie diese Partei bei Schäuble hieß, war unverkennbar an die AfD angelehnt. Auch „Sein Reich“, Schäubles vierter Jugendroman, könnte aktueller nicht sein. Die Protagonisten spielen „Fortnite“ und gucken „Dark“ auf Netflix, Juris Klassenkameraden sind bei Fridays for Future organisiert. Doch auch die schrecklichen Seiten unserer Gegenwart werden nicht verschwiegen: Der Mord an Walter Lübcke und der Anschlag in Halle werden erwähnt. Es geht um rechte Ideologien und die Menschen, die hinter ihnen stehen.

          Im Plot ist das geschickt angelegt. Spannend wie ein Thriller, lässt der Roman Juri nach und nach entdecken, was für eine Weltsicht sein Vater hat. Weil er davon keinerlei Ahnung hat, betrachtet er alles von außen. Nicht unbedingt naiv, schlicht unwissend. An seiner Seite erfahren die Leser, was für Menschen diese Reichsbürger sind, von denen auch manche von ihnen möglicherweise noch nicht viel gehört haben.

          Das Tröstliche: die jugendlichen Protagonisten

          Auf den ersten Blick sieht die Welt von Juris Vater gar nicht so düster aus. Achim, ein Freund des Vaters, wohnt auf einem idyllischen Bauernhof im Wald, es gibt immer gutes selbstgemachtes Essen, und Juri darf vieles tun, was zu Hause absolut verboten wäre: mit echten Pfeilen schießen und sogar Auto fahren. Mit dem Vater geht er angeln und teilt sogar eines seiner Hobbys: Modellflug- und -fahrzeuge bauen. Doch mit der Zeit wird alles immer seltsamer: Bei Achim kochen ausschließlich die Frauen, seine Töchter wirken wie emsige Hausangestellte. Alle sind altmodisch gekleidet, keiner hat ein Handy. Und Achim will Juri erzählen, dass man Krebs mit Kräutern heilen kann.

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