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Kirsten Boies zweiter „Trenk“ : Ich heirate eine Drachenfamilie

  • Aktualisiert am

Bild: Oetinger

Ein richtiger Ritter geht auf Drachenjagd, niemand weiß das besser als Kirsten Boies kleiner Ritter Trenk. Auch sein zweites Abenteuer besteht der Junge eigenwillig und charmant.

          2 Min.

          Natürlich gibt es das auch: Ein finsterer Feudalherr presst die ihm anvertrauten Bauern aus und scheut dabei nicht einmal so miese Tricks wie das Unterschieben von Diebesgut, um seine Macht zu behaupten. So kennen Leser von Kirsten Boies prachtvollem Kinderbuch „Der kleine Ritter Trenk“ (2007) den Widersacher des Titelhelden, eben den gemeinen Ritter Wertolt, genannt „der Wüterich“, und so begegnet er uns auch gleich zu Beginn des jetzt erschienenen Folgebands.

          Ansonsten aber ist dieser Ritterkosmos, den man ausgesprochen gern ein weiteres Mal betritt, frei von derart eindeutig gestrickten Charakteren und bei aller Betonung der mittelalterlichen Standesschranken doch erstaunlich durchlässig: Trenk, der Sohn eines leibeigenen Bauern, hatte im ersten Band Freundschaft mit der netten Thekla geschlossen, der Tochter Ritter Hans von Hohenlobs, und durch die behauptete Erlegung eines Drachen sein ganzes Dorf aus der Leibeigenschaft befreit. Im neuen Roman „Der kleine Ritter Trenk und der Große Gefährliche“ holt ihn dann die kleine Schummelei aus dem Vorgänger ein. Denn die vermeintlich getötete Drachendame erfreut sich mitsamt ihren Kindern bester Gesundheit, und die Ausrede, die Trenk dafür anführt, ist so fadenscheinig, dass ihm gar nichts anderes übrigbleibt, als neuerlich auszuziehen und die Sache ein für alle Mal in Ordnung zu bringen.

          Gute Gründe für das Drachenverschonen

          Der zweite Band einer im Grunde abgeschlossenen Geschichte hat es immer schwer - vor allem, wenn es die Protagonisten wie hier mit manchen Motiven und Gestalten zu tun bekommen, die aus dem ersten in Erinnerung sind. Boie aber münzt dies um in einen deutlich knapperen Roman, der elegant und witzig auf frühere Episoden verweist, ohne je das Gefühl von Redundanz zu vermitteln. Manches gewinnt dadurch schärfere Konturen, etwa die Freundschaft zwischen Trenk und Thekla oder auch die latente Fürsorge, die der Aufsteiger aus der Kate für sein Dorf beweist. Dass er hier ein weiteres Mal auf Drachenjagd geht, ist nicht zuletzt der Notwendigkeit geschuldet, seine Nachbarn aus den Klauen des gemeinen Wertolt zu befreien.

          Nach wie vor ist die Drachenjagd der Ausweis von Ritterschaft - und Trenk, der sich nichts sehnlicher wünscht, als diesem Stand anzugehören, weiß das natürlich genau. Nur dass er hier ganz anders an die Sache herangeht als im ersten Teil. Inzwischen weiß er, dass es gute Gründe für das Drachenverschonen gibt, und selbst der titelgebende große gefährliche Drache, der einige Zerstörungen anrichtet, bekommt am Ende seine Chance als freundlicher Stiefvater einer ganzen Horde junger Drachen.

          Der melodische Charme von Kirsten Boies präziser Sprache, seit jeher das große Vermögen der Autorin, entfaltet seine Wirkung auch hier. So gesehen, wäre auch ein dritter „Trenk“ kein Fehler.

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