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Kirsten Boies Kinderroman „Seeräubermoses“ : Atschüs, min Deern

Bild: Oetinger

Welch ein Schiffbruch! Nach 250 Seiten feinstem Seemannsgarn strandet Kirsten Boies schönes Piratenbuch „Seeräubermoses“ leider als Märchen.

          2 Min.

          Fruunslüüt an Bord? Das gibt Ärger! Deshalb hätten Käptn Klaas und die anderen Piraten von der „Wüsten Walli“ das Baby ja auch fast wieder über Bord gekippt, als sie eine hölzerne Waschbalje aufgefischt, darin den Schreihals entdeckt und festgestellt hatten, dass das vom Smutje schnell mal auf den Namen Moses getaufte Balg ne lütte Deern ist.

          Aber da hatten sie die Kleine schon ins Seeräuberherz geschlossen. Auch wir haben die Bande samt Findelkind gleich in unser abenteuerlustiges Leserherz geschlossen und den Erzähler aus Kirsten Boies Kinderbuch noch dazu, der klingt, als sei er sturmzerzaust zum Seemannsgarnspinnen an der Hafenmole ausgesetzt. Man will sie sofort vorlesen, diese Geschichte, das Buch: Sein Tonfall, sein Rhythmus ist wie dafür gemacht. Mit möglichst plattem Zungenschlag.

          Zumindest bis die Geschichte ihre Helden zu guter Letzt ins Binnenland verschlägt und der Erzähler wackelig wird auf den Beinen wie ein Seemann beim Landgang. Aber erst einmal will Moses nach sechs, sieben Jahren auf See im Hafen endlich mal mitkommen in so eine finstere Spelunke. Das durfte sie noch nie, auch heute nicht, sie büxt aus und landet in der finstersten aller Spelunken geradewegs in den Armen des Erzfeindes von Käptn Klaas. Olle Holzbein will Moses natürlich nur gegen alle Schätze der „Wüsten Walli“ wieder hergeben, den Blutroten Blutrubin des Verderbens inklusive. Aber den hat Käptn Klaas ja gar nicht.

          Dunnerlittchen: ein Happy End, und was für eines!

          Zum Glück kann Moses zusammen mit dem ebenfalls schanghaiten Schiffsjungen Hannes entkommen, fällt unter die Strandräuber aus dem Heimatdorf des neuen Freundes, rettet ihr eigenes Piratenschiff aus deren Hand, kommt so langsam hinter die Sache mit dem Blutroten Blutrubin, bewahrt ihre Mannschaft vor seinem Fluch und beschließt schließlich, den Edelstein dorthin zu bringen, wo er niemandem mehr schaden kann.

          An dieser Stelle haben wir zum Glück schon zweihundertfünfzig Seiten lang Sand zwischen den Zehen und Salz im Haar, denn jetzt ist es, als würde auf einmal ein Märchenbuch aufgeschlagen, in dem zwar auch noch ein paar Seeräuber herumstehen, es aber eigentlich um ein Königspaar geht, das einst . . . wir ahnen es, oje: sein Prinzesschen verloren hat, auf See, bei einem Piratenangriff.

          Dunnerlittchen: ein Happy End, und was für eines! Alle sind gerührt, all die Palsteks dieser gut verknoteten Geschichte sind aufgepult, man feiert ein Freudenfest. Nur wir Piratenfreunde fühlen uns um unser Seeräubergarn betrogen, um die volle Fahrt der Geschichte bei Windstärke acht, die auf einmal so unsanft strandet und versandet. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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